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Kanton Schwyz - Kanton - Porträt - Deutsch - Geschichte

Die Geschichte des Kantons Schwyz

Der Kanton Schwyz – ein geschichtlicher Zufall? In sechs Bänden und einem Materialienband geht ein Autorenteam dieser Frage nach. Die wechselvolle Geschichte des Gebietes zwischen Zürich- und Vierwaldstättersee und der dort lebenden Menschen wird umfassend von der Urgeschichte bis in unsere Zeit dargestellt.
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Kurzer historischer Überblick

Älteste Spuren

Vor Jahrtausenden schon lebten Menschen im Gebiet des späteren Kantons Schwyz. Besonders intensiv war nach neuesten Erkenntnissen die Besiedlung im Raum Freienbach-Hurden. Zahlreiche Funde belegen Dasein und Wirken jener "Ur-Schwyzer" vor 4 - 5000 Jahren. Aus Stein sind vorerst noch ihre Werkzeuge; bald wird es Bronze sein, die recht vielfältigen Funde im ganzen Kantonsgebiet beweisen es. Seltener sind die Zeugnisse der folgenden Epoche, der Eisenzeit. Die Bevorzugung der Siedlungsräume an Seeufern und günstigen Hanglagen kennzeichnet sodann die Erfassung des Raumes zur römischen Zeit.

Vor rund 1400 Jahren setzten sich die Alamannen fest und prägten mit ihren Wirtschafts- und Lebensformen die alten Siedlungsräume. Das Volk wuchs, das Land musste ausgebaut werden. Das Christentum drang vor, die Kirchenbauten von Tuggen und Schwyz erlauben es, diesen Vorgang ins späte 7. und frühe 8. Jahrhundert festzulegen. Am Zürichsee und in den Talkesseln von Schwyz und Arth werden Schwerpunkte der Siedlung erkennbar.

Eine starke Talgemeinschaft

Nach Jahrhunderten sind die Strukturen besser zu fassen. Die bisher seltenen schriftlichen Quellen beginnen reichlicher zu fliessen. Im 10. Jahrhundert gewann das Kloster Einsiedeln, reich beschenkt von den deutschen Königen, rasch an Bedeutung. Das Kloster und die Leute von Schwyz rangen während Jahrhunderten um Alpen, Wälder und Weiderechte im Grenzgebiet. Stets deutlicher trat dabei die Organisation der Schwyzer, die Talgemeinschaft, hervor. Sie gewann an Macht und Selbstbewusstsein und trat in Konkurrenz zu den auswärtigen Grundherren im späteren Kantonsgebiet.

Die Schwyzer erreichten 1240 in Faenza von Kaiser Friedrich II. die Reichsunmittelbarkeit und versuchten, sich auf diese Weise gegen die Ansprüche der zur stärksten regionalen Macht gewordenen Habsburger zu wappnen. Die politischen Interessen der Schwyzer wurden von ihren wirtschaftlichen mitbestimmt. Ihre Landwirtschaft war im Umbruch, der Zug zu einer umfangreichen Grossviehhaltung setzte ein. Dafür brauchte es Absatzmärkte und Handel, der neue Gotthardweg wies die Richtung nach Süden.

Mit dem Bund von Anfang August 1291 wurde die urschweizerische Eidgenossenschaft eine politische Realität. Die Zeiten der Bewährung liessen nicht auf sich warten, der Morgartenkrieg (Schlacht am Morgarten 1315) und bange Jahre hielten das Land in Atem.

Schwyz begann, seine engeren Grenzen zu sprengen. Mit dem Kloster Einsiedeln kam es 1350 zum Ausgleich; bald traten die Schwyzer an die Stelle der alten habsburgischen Schirmherren. Die March wurde als freies Land von den Schwyzern ins Landrecht aufgenommen, der gemeinsame Weg einer an Wechselfällen reichen Partnerschaft begann. In gleicher Weise fiel in Küssnacht die Entscheidung zugunsten der Schwyzer Landesherrschaft. Um einiges später folgten die Höfe, als Vogtei kamen sie nach dem "Alten Zürichkrieg" unter Schwyz. Jene Entwicklung formte die innerkantonalen Strukturen bis auf den heutigen Tag; die alten Landschaften leben als eigenständige Bezirke fort.

Alt-Schwyz mit seinem politischen Zentrum in der Pfarrei St. Martin und dem europäisch bedeutenden Wallfahrtskloster Einsiedeln sowie mit seinen alten Bundesgenossen um den Vierländersee trat in Verbindung mit weiteren Nachbarn. Das komplexe Gebilde der Eidgenossenschaft wurde zu einem historisch bedeutsamen und einmaligen Bundessystem. Kämpfe und politische Auseinandersetzungen begleiteten die Städte und Länder durch die Jahrhunderte. In seiner starken Stellung als kulturell und wirtschaftlich gut entwickeltes Gebiet wurde Schwyz mit der Zeit von den kräftig zulegenden und finanzstarken Städten des Alpenvorlandes überholt.

In der Neuzeit

Noch zehrte Schwyz von seinem Ansehen als Urstand und von seiner expansiven Kraft. Es förderte demokratische Bewegungen in der Ostschweiz und stellte sich an die Spitze adelsfeindlicher Aktionen. Mit den eidgenössischen Orten nahm jedoch auch Schwyz an den Eroberungen des 15. und 16. Jahrhunderts und an der Herrschaft über die unterworfenen Gebiete teil.

Schweizer Knechte wurden als Söldner fremder Kriegsherren begehrt. Der Schwyzer Anteil an diesem Soldgeschäft war bedeutend. Mit der Zeit entwickelte sich hier ein eigentliches Militärunternehmertum. Die Herrensitze des Hauptortes Schwyz verdanken ihre Entstehung hauptsächlich diesem auch von schweren Schatten begleiteten Geschäft. Die mit den fremden Diensten verbundenen kulturellen Anstösse, vor allem aus Frankreich und Italien, sind nicht zu unterschätzen. Die Repräsentanten der Soldpolitik waren schliesslich identisch mit den führenden Leuten des Staates, die Kollision der Interessen war oft vorgegeben.

Das Schwyzer Selbstverständnis war in hohem Masse religiös bestimmt. Die Stellung der Kirche war stark, das christliche Schwyz Realität. Das "Grosse Gebet" der Schwyzer und Märchler und der mystische Kult um das blutrote Banner des Landes waren Ausdruck dieser Haltung. Schwyz blieb trotz einiger reformatorischer Versuche bei der Glaubenstrennung der katholischen Kirche treu. So erstaunt es nicht, dass die katholische Reform nach dem Konzil von Trient hier auf fruchtbaren Boden fiel. Das ganze Land wurde nun von der mächtigen Bewegung des Barocks erfasst, der sich vor allem im Bau prächtiger Kirchen und Kapellen ausdrückte, z.B. in Arth, Lachen, Schwyz und vor allem in Einsiedeln.

Die Leistungen einheimischer und fremder Künstler waren seit jeher von den sakralen Bedürfnissen geprägt. Der berühmteste Schwyzer Künstler aller Zeiten, der Medailleur Johann Carl Hedlinger, lebte und wirkte indessen im Ausland, an den Königshöfen Europas. Die Hauptträger dieser kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Formen entwickelten wachsende aristokratische Tendenzen. Der Souverän des Landes, die seit dem 13. Jahrhundert bestehende Landsgemeinde, sah sich zunehmend eingeengt. Es kam im 18. Jahrhundert zu Ausbrüchen des Volkszorns und Umstürzen: Sturmzeichen einer alternden Epoche! Wenn auch die Bewegung der Aufklärung vorerst elitär und in Schwyz nur marginal wirksam blieb, so machte sich doch Unrast und Wille zur Veränderung bereit. In den angehörigen Landschaften regte sich der Widerstand gegen das zunehmend selbstherrliche Regiment von Schwyz.

Stürme und Erneuerung

Europa geriet nach der französischen Revolution von 1789 aus dem Gleichgewicht und in eine jahrzehntelange Zeit der Kriege und Unruhe. Dem Sturm war auch die Eidgenossenschaft der XIII Orte nicht gewachsen. Allerorten waren Anhänger der neuen Ordnung am Werk, die Ideen der Aufklärung brachten nun Früchte. Schwyz war der Meinung, bei der neuen Ordnung nicht viel gewinnen zu können und widersetzte sich der Schaffung einer "Helvetischen Republik" und den sie stützenden französischen Truppen. Nach schweren Kämpfen und mehreren siegreichen Gefechten gegen die französische Übermacht war indessen die Kapitulation nicht zu vermeiden.

Nach dem Sturz Napoleons erfolgte in Schwyz ab 1814 die weitgehende Wiederherstellung der Zustände vor 1798. Bald kam es jedoch zu Spannungen zwischen dem Alten Land, dem einst herrschenden Gebiet und den äusseren Bezirken. In der March, in Einsiedeln und in Küssnacht bildete sich eine neue Führungsschicht. Ihre Forderungen zielten auf eine zeitgemässe und gerechte Verfassung für den ganzen Kanton. In jenen Tagen erfüllte sich auch das Schicksal der einst freien Republik Gersau; durch Tagsatzungsbeschluss wurde sie 1817 als Bezirk dem Kanton Schwyz zugeschlagen.

Gegen das Jahr 1830 eskalierten die Auseinandersetzungen innerhalb des Kantons, es kam zur Bildung des "Kantons Schwyz äusseres Land". Die eidgenössische Tagsatzung beschloss 1833 jedoch die Wiedervereinigung, liess Schwyz durch Truppen besetzen und verordnete die Schaffung einer zeitgerechten Verfassung.

Die politischen Vorgänge dürfen nicht isoliert von den wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen betrachtet werden. Bereits in der alten Zeit hatte sich von Schwyz und dann von Gersau die Schappespinnerei auszubreiten begonnen. In der March wurde für die Zürcher Textilindustrie gearbeitet; weitere Ansätze zeigten sich in Einsiedeln. Die Gersauer Seidenindustrie kam nach der politischen Krise der Jahrhundertwende im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zu hoher Blüte. In der March entstanden in den dreissiger Jahren eigene Textilbetriebe. Neben die noch dominierende Schicht der landwirtschaftlichen Bevölkerung und der alten Familien trat die wachsende Zahl von Arbeitern, Angestellten und Handwerkern. Mit der schrittweisen und hart umkämpften Realisierung der Grundrechte ging auch die allmähliche Umstrukturierung der Wirtschaft vor sich.

Der neue Kanton

Trotz einer neuen liberalen Verfassung und markanter Ansätze zur Industrialisierung in einzelnen Teilen des Kantons Schwyz blieb dieser im ganzen eher vorrevolutionären Vorstellungen verhaftet. Der Einfluss der katholischen Kirche auf Politik und Alltag war nachhaltig. Die Vorstellungen der führenden Schwyzer und eines überwiegenden Teils des Volkes über die Zukunft der Eidgenossenschaft unterschieden sich von den Meinungen der Mehrheit der Schweizer und der grossen Kantone. Diese strebten nach einem starken Bundesstaat, die innern Orte mit Wallis und Freiburg hielten ein wie bisher geübtes Staatenbundsystem für unabdingbar. Sie bildeten zum Schutz gegen militärische Aktionen seitens radikaler Kantone und zur Wahrung ihrer Interessen den "Sonderbund". Es kam 1847 zum letzten innereidgenössischen Waffengang. Der an Mannschaft und Mitteln unterlegene Sonderbund wurde durch die von General Dufour geführten Truppen der Tagsatzungsmehrheit zerschlagen. Der Weg zum Bundesstaat von 1848 war frei.

Der gedemütigte und von Kriegsschulden bedrängte Stand Schwyz hatte in jenen Jahren das Glück, Staatsmänner von Format zu besitzen, die ihn aus der gröbsten Isolierung herauszuführen wussten. Eine neue Verfassung bildete die Grundlage des politischen und gesellschaftlichen Handelns. Unter schwierigsten Umständen und ständig von Finanznöten geplagt baute man ein Strassennetz und förderte das Volksschulwesen, deutlich abzulesen an den vielen Schulhäusern jener Jahrzehnte. Die Schönheit der Landschaften, die vielen Bezüge zur Geschichte und zur Gründungszeit der alten Eidgenossenschaft liessen attraktive Ziele für einen immer stärker anschwellenden Fremdenverkehr entstehen.

Ein eigentlicher Durchbruch erfolgte mit dem Bau der Bahnen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Industrielle Produktion, Handel und Tourismus erfuhren eine markante Steigerung. Eine starke Diversifizierung kennzeichnete diese Vorgänge, und trotzdem behielt die Land- und Alpwirtschaft noch lange eine das soziale und öffentliche Leben prägende Stellung.

Schritt für Schritt, durch die Verfassung von 1898 etwa und deren spätere Revisionen, gelang die Schaffung ausgewogener politischer Strukturen. Nach wie vor blieben die Bezirke des Kantons und die 30 Gemeinden starke Gemeinwesen der unteren Stufe, hier entscheidet sich noch immer das politische Schicksal. Auf der anderen Seite erhielt das oberste exekutive Organ des Kantons, der Regierungsrat, echte zentrale Kompetenzen.

Die fast unheimliche Beschleunigung der technischen und sozialen Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg machte an den Schwyzer Grenzen nicht halt. Der Einfluss der benachbarten grossen Zentren, vor allem von Zürich, wirkte sich auf die Verhältnisse im Kanton aus. Das starke Wachstum der Bevölkerung und das Ansteigen der wirtschaftlichen Kraft in neuester Zeit sind gewiss positive Faktoren. Die Kraft der Gemeinden und Dörfer und des ganzen Schwyzerlandes zur Bewältigung der neuen Anforderungen wurde und wird jedoch in starkem Masse gefordert.

Dr. Josef Wiget