Direkt zum Inhalt springen

Acceskeys

Kanton Schwyz - Behörden - Umwelt, Natur, Landschaft - Umweltschutz - Deponien - Aushubbewirtschaftung

Aushubbewirtschaftung

Aushubmaterial ist im Kanton Schwyz mit rund 700 000 m3 pro Jahr mengenmässig der weitaus grösste Abfallstrom. Rund ein Viertel davon gelangt auf Deponien. Um die Ressourcen zu schonen muss eine hochwertige Weiterverwendung des Aushubmaterials angestrebt werden.

 

 

 

Aushubbewirtschaftung heisst Planen und Kontrollieren der Aushubströme

Unter Aushubmaterial versteht man Lockergestein wie Kies, Sand, Silt oder Ton, gebrochenes Felsmaterial usw., das bei Bautätigkeiten anfällt. Im Gegensatz zu den darüber liegenden Schichten Oberboden/Humus und Unterboden ist es nicht durchwurzelt oder belebt. Es gilt als:

  • unverschmutzt, wenn es zu mindestens 99 Gewichtsprozent aus natürlichen Gesteinsanteilen und im Übrigen aus anderen mineralischen Bauabfällen besteht, es keine Fremdstoffe wie Siedlungsabfälle, biogene Abfälle oder andere nicht mineralische Bauabfälle enthält und die Vorgaben gemäss Anhang 3 Ziffer 1 der Abfallverordnung VVEA eingehalten sind – solches Aushubmaterial ist möglichst vollständig zu verwerten;
  • leicht verschmutzt, wenn es zu mindestens 95 Gewichtsprozent aus natürlichen Gesteinsanteilen und im Übrigen aus anderen mineralischen Bauabfällen besteht, Fremdstoffe wie Siedlungsabfälle, biogene Abfälle oder andere nicht mineralische Bauabfälle so weit wie möglich entfernt wurden und die Vorgaben gemäss Anhang 3 Ziffer 2 der VVEA eingehalten sind – solches Aushubmaterial ist möglichst vollständig zu verwerten;
  • verschmutzt, wenn es die Vorgaben gemäss Anhang 3 Ziffer 2 der VVEA nicht einhält und daher nicht ohne vorgängige Behandlung verwertet werden kann. Ausgenommen ist die Verwertung unter ganz bestimmten Voraussetzungen auf Deponien oder bei der Sanierung von Altlasten. Verschmutzungen sind oft am ungewohnten Geruch, der unüblichen Farbe oder dem Fremdstoffanteil erkennbar.

Planung der Aushubbewirtschaftung

Bei der Planung eines Bauvorhabens ist die Aushubbewirtschaftung mit einzubeziehen. Grundsätzlich muss klar sein, wieviel (Menge) von was (Qualität unverschmutzt oder verschmutzt) anfällt und wie es verwertete oder entsorgt wird. Die Bauherrschaft klärt vor der Baueingabe ab, ob die Baustelle:

  • im kantonalen Kataster der belasteten Standorte eingetragen ist (siehe WebGIS)
  • sich in einem Bereich mit potentiellen Bodenbelastungen (angrenzend an stark befahrene Verkehrswege, Bahntrassees, bei Verbrennungsanlagen, korrosionsgeschützten Metallkonstruktionen, Schiessanlagen oder in Gewerbe-/Industriezonen, Hausgärten usw.) befindet;
  • Aushubmaterial aufweist, für welches konkrete Anhaltspunkte für Belastungen durch umwelt- oder gesundheitsgefährdende Stoffe vorhanden sind wie polychlorierte Biphenyle (PCB), polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Blei oder Asbest (z.B. alte Gewerbe- und Industriebauten, frühere Lager-/Abstellplätze, ehemals überbaute Gebiete).
    Falls einer dieser Punkte zutrifft, so ist nach dem Merkblatt Bauen auf belasteten Standorten resp. Umgang mit Boden bei oberflächlichen Belastungen vorzugehen. Wenn voraussichtlich mehr als 200 m3 Bauabfälle anfallen, ist ein Entsorgungskonzept nach SIA-Empfehlung 430 zu erstellen und die Entsorgung ist zu dokumentieren resp. verbindlich nachzuweisen. Trifft keiner dieser Punkte zu, so kann unverschmutztes Aushubmaterial erwartet werden. Bei grösseren Vorhaben ist auch in diesem Fall ein Entsorgungskonzept zu erstellen.

Kontrolle während Bauarbeiten

Die Aushubunternehmung prüft während der Aushubarbeiten laufend, ob:

  • das Aushubmaterial erkennbare Fremdstoffe (Siedlungs- oder Bauabfälle usw.) enthält;
  • das Aushubmaterial verfärbt ist;
  • das Aushubmaterial nach Fremdstoffen riecht;
  • sonst Anzeichen für Verunreinigungen des Aushubmaterials bestehen.

Falls einer dieser Punkte zutrifft, so sind die Arbeiten am Ort der Verschmutzung unverzüglich einzustellen und das kantonale Amt für Umweltschutz ist zu benachrichtigen, welches in Absprache mit den Betroffenen und der Gemeinde über das weitere Vorgehen entscheidet.

Bauabfälle sind auf der Baustelle nach ihrer Art und den Verwertungsmöglichkeiten zu trennen (vgl. Art. 17 ff VVEA).

 

Verwertungs- und Entsorgungswege für unverschmutztes Aushubmaterial, das die Vorgaben von Anhang 3 Ziffer 1 VVEA einhält

1. Priorität, Verwertung an Ort und Stelle oder als Baustoff für Deponien:
Unverschmutztes Aushubmaterial sollte soweit als möglich dort, wo es anfällt, für Hinterfüllungen und Umgebungsgestaltungen oder als Baustoff für Deponien verwertet werden. Dabei darf es nicht mit Abfällen vermischt werden. Die Umgebungsgestaltung ist im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens zu genehmigen.

2. Priorität, Verwertung als Rohstoff:
Unverschmutztes Aushubmaterial kann direkt als Kies für Kofferungen usw. verwertet werden. Oder es kann durch Waschen, Brechen, Sieben als Rohstoff einer Verwertung in der Bauindustrie zugeführt werden.

3. Priorität, Verwertung für die Wiederauffüllung von Materialentnahmestellen:
Es ist sinnvoll, Aushub in erster Linie im Bereich bestehender Landschaftsnarben abzulagern, statt neue Deponien auf der „grünen Wiese“ zu schaffen. Die Abfallverordnung (VVEA) sieht deshalb ausdrücklich die Rekultivierung, das heisst, das Wiederauffüllen von Steinbrüchen, Kies- und Tongruben vor.

4. Priorität, Verwertung für bewilligte Terrainveränderungen:
Terrainveränderungen ausserhalb der Bauzonen bedürfen immer, unabhängig der Schütthöhe und Kubatur, der Zustimmung nach Raumplanungsgesetz und einer Baubewilligung. Innerhalb der Bauzonen richtet sich das Bewilligungsverfahren nach der kantonalen und kommunalen Gesetzgebung.

  1. Unverschmutztes Aushubmaterial kann für bewilligte, geschüttete Erdbauten und Anlagen verwertet werden, welche einem bestimmten und notwendigen Zweck dienen, z.B. Schutzbauten wie Lärm- und Sichtschutzwälle, Fluss- und Bachverbauungen.
  2. Terrainveränderungen/Aufschüttungen zur Verbesserung der Bodeneigenschaften können ausserhalb der Bauzonen in der Regel nur für kleine Kubaturen bewilligt werden. Notwendigkeit und Art der Bodenverbesserung sind im Rahmen des Bewilligungsverfahrens durch eine bodenkundliche Fachperson in Form eines Gutachtens nachzuweisen. Die Verbesserung der maschinellen Bewirtschaftung reicht als Begründung für solche Vorhaben nicht aus.
  3. Kleine Terrainveränderungen können in der Landwirtschaftszone ausnahmsweise ohne Nachweis einer Bodenverbesserung bewilligt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Die wichtigsten sind:
    - max. einige hundert Kubikmeter Schüttvolumen;
    - Entstehung und Ablagerung des Aushubmaterials findet auf derselben, zusammen-
    hängenden Liegenschaft statt;
    - es wird kein Aushubmaterial von anderen Baustellen zugeführt.

5. Priorität, Zwischenlager
Ist die Verwertung von unverschmutztem Aushubmaterial nicht sofort möglich und zeichnen sich Verwertungsmöglichkeiten für die nähere Zukunft ab, so kann das Aushubmaterial zwischengelagert werden. Solche Zwischenlager sind bewilligungspflichtige Anlagen.

6. Priorität, Ablagerung auf einer Deponie
Unverschmutztes Aushubmaterial, das nicht verwertet werden kann, ist auf einer Deponie des Typs A oder B abzulagern.

 

Verwertungs- und Entsorgungswege für leicht verschmutztes Aushubmaterial, das die Vorgaben von Anhang 3 Ziffer 2 VVEA einhält

 

1. Priorität, Verwertung als Rohstoff
Leicht verschmutztes Aushubmaterial ist als Rohstoff für die Herstellung von hydraulisch oder bituminös gebundenen Baustoffen zu verwerten.

2. Priorität, Verwertung als Baustoff für Deponien
Eine alternative Verwertungsmöglichkeit ist der Einsatz des Materials als Baustoff auf Deponien der Typen B-E.

3. Priorität, Verwertung als Rohmaterial in der Zementindustrie
Leicht verschmutztes Aushubmaterial soll weiter als Ersatzrohmaterial für die Herstellung von Zementklinker verwertet werden.

4. Priorität, Verwertung für Tiefbauarbeiten auf dem belasteten Standort, wo das Material herkommt
Fällt leicht verschmutztes Aushubmaterial auf einem durch Abfälle belasteten Standort an, so soll es dort für Tiefbauarbeiten weiter verwendet werden. Eine allenfalls notwendige Behandlung des Materials darf nur auf dem belasteten Standort erfolgen.

5. Priorität, Ablagerung auf einer Deponie
Leicht verschmutztes Aushubmaterial, das nicht verwertet werden kann, ist auf einer Deponie des Typs B abzulagern.

 

Verwertungs- und Entsorgungswege für verschmutztes Aushubmaterial, das die Vorgaben von Anhang 3 Ziffer 2 VVEA nicht einhält

Solches Material darf grundsätzlich nicht verwertet werden, ausser wenn es die Anforderungen nach Anhang 5 Ziffer 2.3 VVEA erfüllt. Dann kann es wie folgt verwertet werden:

  • als Baustoff auf Deponien der Typen C, D und E; oder
  • im Rahmen der Sanierung der Altlast, auf der das Material anfällt. Eine dafür allenfalls notwendige Behandlung des Materials muss auf oder direkt neben der Altlast erfolgen.

Verantwortung

Die Verantwortung für die umweltgerechte Verwertung oder Entsorgung von jeglichem Aushubmaterial liegt grundsätzlich bei der Bauherrschaft. Die Bauleitung und die beauftragten Unternehmer tragen die Mitverantwortung im Rahmen ihres Auftrages.

 

<< zurück