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Lichtemissionen

Strassenlaternen20% der Weltbevölkerung, darunter jeder zweite Europäer, kann die Milchstrasse nicht mehr mit blossem Auge erkennen. Denn vielerorts ist der Nachthimmel nur noch in einem Dämmerzustand und leuchtet – etwa über grossen Städten – fast 30 Mal so hell wie ein natürlicher Sternenhimmel.

 

Gründe

Licht vermittelt Sicherheit und Wohlstand. Seit der Erfindung der Glühbirne 1879 ist es in stetem Vormarsch. Lange schon geht der Einsatz von Kunstlicht weit über Zweckmässigkeit hinaus und hat neue Aufgaben – solche der Ästhetik, der Werbung und der kulturellen Identifikation übernommen.

Kirchen, Schlösser, aber auch Firmenfassaden – sogar ganze Berggipfel und Skipisten werden ausgeleuchtet, Discotheken machen mit weithin sichtbaren, sogenannten Skybeamern auf sich aufmerksam. Beim Licht ist ein Wettrüsten im Gange.

Karikatur zum Thema Lichtverschmutzung um die WeihnachtszeitNie ist dies so offenkundig zu erkennen, wie in der Weihnachtszeit, wenn Nachbarn die Beleuchtungen ihres Hauses und Gartens regelrecht gegeneinander ausspielen. In solch lichtdurchfluteten Nächten geht dabei zunehmend die gewünschte ästhetische Wirkung verloren, weil schlicht der Kontrast zur nicht vorhandenen Dunkelheit und die Möglichkeit zur Akzentuierung fehlt.

Hauptverantwortlich für die Lichtverschmutzung, die über Städten als Lichtdom gut zu erkennen ist, sind grundsätzlich alle Lichtquellen, die Licht gegen oben abstrahlen, in die Richtung also, in der es niemand braucht. Die Schattenseiten von soviel Licht sind gerade erst im Begriff, von einer breiteren Bevölkerung erkannt zu werden.

Auswirkungen

Die künstliche Aufhellung der Nächte hat negative Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen. Für Menschen im schlechteren Fall gesundheitliche Schäden, im besseren einfach lästige Einwirkungen wie Schlafstörungen – die Schlafenszeiten werden vom Hormonhaushalt bestimmt und dieser wiederum wird vom Licht des Tag/Nacht Rhythmus genauso wie von künstlicher Beleuchtung beeinflusst.

Weit drastischer sind die Auswirkungen für gewisse Tierarten. So schätzen Wissenschaftler, dass in den Sommermonaten an jeder Strassenlampe 150 Insekten pro Nacht zu Tode kommen. Leider haben Insekten oft wenig Sympathien bei Menschen – dennnoch sind sie wesentlicher Bestandteil des Ökosystems. So entsprechen zum Beispiel die auf diese Weise fehlenden Insekten der Nahrungsgrundlage von bis zu einer Million Vögeln.

Dies ist dabei nicht das einzige Problem, dass Vögel mit der Lichtverschmutzung haben. Denn diese orientieren sich auf ihren Zügen unter anderem am Sternenhimmel. Wenn es neblig ist, fliegen sie, beim Versuch, dem Nebel zu entkommen, auf Lichtquellen zu. Dabei können sie im Lichtdom einer Stadt gefangen bleiben und dort orientierungslos im Kreis fliegen, bis sie vor Erschöpfung tot vom Himmel fallen.

Viele weitere, insbesondere nachtaktive Tiere werden durch das übermässige Kunstlicht auf verschiedenste Weise in ihrem Verhalten gestört und in ihrer Existenz bedroht.

Eine Evolution, die sich über Millionen von Jahren an einen Tag-Nacht-Rhythmus angepasst hat, konnte sich nicht in 150 Jahren an die Glühbirne gewöhnen. Da die Problematik der Lichtverschmutzung erst seit kurzem bekannt und noch wenig erforscht ist, ist anzunehmen, dass weitere negative Auswirkungen auf die Ökosysteme erst noch entdeckt werden und das Problem heute noch unterschätzt wird.

Massnahmen gegen die Lichtverschmutzung

Ein erstes Ziel muss es sein, die Bevölkerung überhaupt auf das Thema aufmerksam zu machen. Bis heute ist sich noch immer lediglich eine Minderheit der Bevölkerung bewusst, dass Lichtverschmutzung ein Problem ist (Lichtverschmutzung? - Was ist das denn? - Was es nicht alles für Verschmutzungen gibt...).

Gut gegen oben abgeschirmte LampeMittelmässig abgeschirmte LampeNicht abgeschirmte Lampe

 

 

Wenn Lichtverschmutzung erst einmal ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist, gibt es mit einfachsten Mitteln ein gewaltiges Vermeidungspotenzial ohne Verlust von Komfort. Die Devise lautet: von oben statt von unten beleuchten. Gut gegen oben abgeschirmte Lampen beleuchten nur in die Richtung, in der es gewünscht ist. Dabei wird zusätzlich noch viel Energie gespart, die sonst einfach in den Himmel abstrahlen würde.
An vielen Stellen könnten zudem die sich über Jahre angesammelten Mehrfachbeleuchtungen rückgebaut werden. Grundsätzlich sollte man sich bei jeder Neuinstallation von Beleuchtungskörpern auch Gedanken über die Zweckmässigkeit an sich, die notwändige Intensität und eine zeitliche Begrenzung machen.

Auch Dunkelheit kann ästhetisch sein. So wird zum Beispiel in Venedig die Beleuchtungsintensität der historischen Gebäude bewusst gering gehalten, um die Romantik der Stadt nicht zu stören. Vielleicht erkennt man dort in einer klaren Sommernacht noch die Milchstrasse.

Auskunft

Ivo Egger
041 819 20 83

Merkblätter

Lichtverschmutzung

Weitere Informationen

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Weg des Lichts