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Medieninformation

Schwyz, 29. September 2011

Anpassung der Verordnung über die Volksschule
Vernehmlassung


(Stk/i) Der Regierungsrat hat beschlossen, die Verordnung über die Volksschule aus dem Jahre 2005 anzupassen: Die Einführung von Zweijahreskindergärten in allen Gemeinden, die Vereinheitlichung der Sekundarstufe I und die Neuregelung der Finanzierung der Sonderschulung sollen gesetzlich verankert werden. Zudem sind Rechtsgrundlagen im Bereich Datenschutz zu schaffen. Die Schulträger, der Lehrerverein und die Parteien werden eingeladen, sich im Rahmen einer Vernehmlassung zu äussern.

Zweijahreskindergarten in allen Gemeinden
Die Gemeinden haben heute den Einjahreskindergarten anzubieten. Er ist nach dem erfüllten 5. Altersjahr obligatorisch zu besuchen. Der Zweijahreskindergarten kann von den Gemeinden freiwillig angeboten werden. Heute ist er in 23 Gemeinden verankert oder beschlossen. Somit stehen für ca. 75% der Kinder Plätze im ersten der beiden Kindergartenjahre zur Verfügung. Dieser „kleine Kindergarten“ wird von 90% aller Kinder freiwillig benützt. Der Zweijahreskindergarten entspricht somit einem breiten Bedürfnis, ist seit Jahren erprobt und hat sich bewährt. Im Sinne der Chancengleichheit sollen alle Kinder Zugang zu einem Zweijahreskindergarten erhalten. Die Gemeinden sollen bis spätestens Schuljahr 2017/2018 verpflichtet werden, den Zweijahreskindergarten zu führen. Es ist mit rund 16 neuen Kindergartenklassen zu rechnen, was einem jährlichen Mehraufwand an Betriebskosten von rund 2 Mio. Franken entspricht. Der Besuch des ersten Kindergartenjahres bleibt freiwillig.

Kooperatives Modell auf der gesamten Sekundarstufe I
Die Sekundarstufe I kann heute als dreiteilige Sekundarstufe I mit drei Stammklassen Sekundar-, Real- und Werkschule oder als kooperative Sekundarstufe I (KOS) mit drei Stammklassen A, B und C und mit zwei Niveauklassen in den Fächern Mathematik, Englisch und Französisch geführt werden. KOS wird seit 1995 in Einsiedeln und an zwei Mittelpunktschulen im Bezirk Schwyz umgesetzt. Nachdem durch den Erziehungsrat und das Bildungsdepartement Reformbedarf festgestellt wurde, wurde die Weiterentwicklung des dreiteiligen sowie des KOS-Modells überprüft und mit pädagogischen, schulorganisatorischen und finanziellen Kriterien bewertet. Der Regierungsrat folgt aufgrund dieser Gegenüberstellung dem Antrag des Erziehungsrates und erachtet es als richtig und nötig, mittelfristig auf der Sekundarstufe I nur noch das KOS-Modell zu führen.

KOS ermöglicht nach der 6. Klasse eine Zuweisung in Stammklassen und Niveaufächer: Damit kann z.B. ein Stammklassen-B-Schüler (Realschule) in Mathematik einen Sekundarschulabschluss machen und damit seine Berufschancen erhöhen. Zudem kann mit Umstufungen rasch auf markante Leistungsveränderungen reagiert werden. In den Niveaufächern Mathematik, Französisch oder Englisch wird ohne Zeitverlust umgestuft. Bei einer Aufstufung wird ein Sekundarschulabschluss im Fach ermöglicht, was einen Leistungsanreiz bildet. Auch eine Aufstufung des Schultyps ist ohne Zeitverlust möglich. Zudem wird die Begabtenförderung mit der neuen dritten, angehobenen Niveaustufe A+ in Mathematik, Französisch und Englisch mit Zeugniseintrag verstärkt. Als weiterer Reformpunkt soll der Pensenpool für die Stammklassen C (Werkschulen) und für die integrative Förderung (IF) aufgestockt werden, um auch künftig genügend Stammklassen C führen zu können. Diese Klassen sind für einige Jugendliche nötig. Die flächendeckende Umsetzung von KOS führt unter Berücksichtigung der Reformen zu einem jährlichen Mehraufwand von rund 4.6 Mio. Franken. Der Kanton finanziert davon 0.9 Mio. Franken. Die Bezirke sollen spätestens ab dem Schuljahr 2017/2018 in den 1. Klassen mit KOS starten.

Sonderschulung: Gemeinden und Bezirke stärker in finanzielle Verantwortung einbinden
Im Schuljahr 2010/2011 waren 453 Sonderschulkinder zu verzeichnen. Davon wurden 310 separiert (in Sonderschulen oder Heimen) und 143 integriert (in Regelklassen) beschult. Aufgrund der Neugestaltung des Finanzausgleichs NFA zog sich der Bund ab dem Jahr 2008 aus der Finanzierung der Sonderschulung zurück. Dadurch erhöhten sich die Kosten um 19 Mio. Franken pro Jahr – von 15.9 Mio. Franken im Jahre 2007 auf 34.8 Mio. Franken im Jahre 2010. Heute tragen die Schulträger mit 8 Mio. Franken nur einen kleineren Teil dieser Gesamtkosten, der Kanton hingegen 27 Mio. Franken. Bei der Umsetzung der NFA wurde eine hälftige Beteiligung der Schulträger in Aussicht gestellt, was nun – auch gemäss kantonalem Massnahmenplan 2011 – umgesetzt werden soll. Bei Kosten von Fr. 94 000.-- (2010) pro Sonderschulkind in einer separiert geführten Institution soll der Schulträger Fr. 47 000.-- übernehmen, was einem Mehraufwand von Fr. 20 000.-- entspricht. Auch die Bezirke sollen als Schulträger der Sekundarstufe I eingebunden werden. Sie waren bisher mit Ausnahme der Eingemeindebezirke finanziell nicht beteiligt.                      

Wenn ein Sonderschulkind in die Regelklasse integriert wird, bezeichnet man dies als integrierte Sonderschulung (IS). Da IS heute für die Schulträger kostenlos ist und zu Lasten des Kantons geht, wurde ein starker Anreiz für IS geschaffen. Die Zahl der geistig behinderten und stark verhaltensauffälligen Kinder nahm folglich in den Regelklassen zu. IS verursacht dem Kanton Kosten von 5.4 Mio. Franken – mit steigender Tendenz. Auch aus Sicht der Systemsteuerung ist es richtig, den Aufwand künftig zu teilen. Die IS-Kosten von durchschnittlich Fr. 38 000.-- pro Kind sollen durch die Schulträger (Gemeinden und Bezirke) neu zur Hälfte (Fr. 19 000.--) übernommen werden. Die andere Hälfte finanziert der Kanton. Der IS-Aufwand wird pro Kind abgerechnet.

Datenschutz im Volksschulwesen
Die neue zentrale Schuldatenverwaltung ermöglicht den Schulen (Schulleitungen, Sekretariate, Lehrpersonen) und dem Amt für Volksschulen und Sport die zeitgemässe Bearbeitung administrativer Prozesse, des Controllings und der statistischen Auswertungen. Da die Daten von der zentralen Datenbank abrufbar sein müssen, gilt es in der Volksschulverordnung die Bearbeitung und Nutzung dieser Personendaten gemäss Datenschutzbestimmungen zu regeln.

Die Vernehmlassung dauert bis Ende Dezember 2011.

Staatskanzlei
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