Direkt zum Inhalt springen

Acceskeys

Kanton Schwyz - Behörden - Staatskanzlei, Departemente - Bildungsdepartement - Amt für Kultur - Denkmalpflege - Restaurierungen

Restaurierungen

Statistiken

Restaurierungspraxis seit 1976

Denkmalpflege ist eine Tätigkeit und Wissenschaft, die sich seit 1976 stark entwickelt hat. Es ist also nicht auf "Expertenstreit" zurückzuführen, wenn in dieser Zeitspanne die Erkenntnisse im Umgang mit historischen Kunstdenkmälern sich stark verändert haben, sondern es ist wie bei jeder Wissenschaft der Gewinn von neuen Einsichten, der zu neuen Vorgehensweisen führt. Wenn ein Chemiker der jüngsten Generation neue Erkenntnisse macht, legt ihm dies niemand als Meinungsverschiedenheit mit der älteren Generation aus, sondern er gewinnt wegen seines Fortschritts Anerkennung. Um diese Anerkennung muss die Denkmalpflege immer noch kämpfen.

Das Kloster Einsiedeln als Lehrmeister

Die Restaurierungstätigkeit im Kanton Schwyz ist in den letzten Jahren geprägt von den Arbeiten, die an der Klosterkirche Einsiedeln durchgeführt worden sind. Alle Beteiligten waren sich der schwierigen und wichtigen Aufgabe bewusst. So erstaunt es nicht, dass es an diesem Gebäude auch dank des Verständnisses des Klosters möglich wurde, die Restaurierungspraxis immer wieder zu hinterfragen und neu zu überprüfen. Im Zentrum stand dabei immer die Frage des möglichst schonungsvollen Umgangs mit dem Original. Dabei wurden neue Methoden der Konservierung und der Ergänzung entwickelt. Die Zusammenarbeit mit den naturwissenschaftlichen Disziplinen gestaltete sich als sehr fruchtbar. So wurden beispielsweise für die schwierigen Verhältnisse in den feuchtigkeitsdurchtränkten Höfen des Klosters neue Methoden der Trockenlegung entwickelt.

Bauuntersuch und Geschichte eines Kunstdenkmals

Bei den Arbeiten in Einsiedeln lässt sich eine Tendenz, welche die zeitgemässe Denkmalpflege gerade in dieser Zeit entwickelt hat, deutlich darlegen: Das Verständnis für die Ausstattung und ihre Veränderungen im Verlauf der Zeit. Bis in die Fünfziger Jahre galt als wertvoller, was älter war, wodurch öfters barocke Ausstattungen zu Gunsten eines älteren Fragments geopfert worden waren.

In Einsiedeln zeigte die Diskussion um den Bodenbelag in der Klosterkirche diesen Wandel deutlich. Im Chor war der Plattenbelag des 19. Jahrhunderts bedenkenlos geopfert und durch einen neuen Schieferbelag wie er im 18. Jahrhundert existiert hatte, ersetzt worden. Im Schiff hingegen wurde nach langen Überlegungen der teils geprägte, teils in Mosaik ausgeführt Steinzeugboden erhalten und sorgfältig restauriert, was mit grösseren Kosten verbunden war als der Ersatz durch einen "barocken" Sandsteinboden. Der Steinzeugboden wurde als wichtiger Zeitzeuge erkannt und deshalb erhalten, im Bewusstsein, dass nächste Generationen immer wieder Gelegenheit haben, über diesen zu befinden. Zwar muss man riskieren, dass deshalb das Konzept, die Kirche in ihren Zustand des späten 18. bzw. des frühen 19. Jahrhunderts zurück zu bringen, nicht zu Ende geführt worden ist. In der Folge wurde ein ähnlicher Boden in der Pfarrkirche Freienbach belassen.

Die letzten Jahre sind auch geprägt durch sorgfältige Vorbereitung von Restaurierungsvorhaben. Diese Vorbereitungen beinhalten insbesondere entsprechende Untersuchungen. Vor Beginn einer Sanierung sollte die Entwicklungsgeschichte eines Objektes anhand eines Untersuchs in Kombination mit der Aufarbeitung der Restaurierungsgeschichte erfasst werden. Erst dadurch wurde es möglich, sich für den entsprechenden Restaurierungsschritt zu entscheiden. Es besteht ohne präzise Auslegeordnung die Gefahr, dass ein Objekt "auseinanderrestauriert" wird. Durch sorgfältige Planung kann dies vermieden werden. An dieser Stelle sind auch die zahlreichen Untersuchungen an Fassaden zu erwähnen. Bis anhin wurden Fasssadenputze meist ohne Untersuch entfernt und durch einen neuen Glattputz ersetzt. Durch vorangehende Untersuchungen konnten jedoch zahlreiche originale Verputze erhalten und ergänzt werden. Zudem fanden sich erstaunlich viele Hinweise auf reiche Fassadengestaltungen mit Farbe und unterschiedlichen Putzstrukturen. Sehr wertvoll ist in diesem Kontext die Zusammenarbeit mit der Kunstdenkmälerinventarisation.

Alle diese Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Klosterkirche Einsiedeln haben dazu geführt, dass auch andere Restaurierungsvorhaben nicht nur im sakralen, sondern auch im profanen Bereich profitieren konnten.

Die technische Seite eines Baudenkmals, Nachhaltigkeit einer Restaurierung

Noch vor einer Generation interessierte sich die Denkmalpflege primär um das optische Erscheinungsbild eines Objektes. Die technische Seite einer Sanierung interessierte weniger, d.h. die richtige Materialwahl für die Langlebigkeit einer Sanierung. Die Nachhaltigkeit, d.h. die Möglichkeit, ein restauriertes Objekt auch unterhalten zu können, rückte in den vergangenen Jahren immer mehr in den Vordergrund. Es zeigte sich nämlich, dass mit ungeeigneten Materialien mehr Schaden als Nutzen angerichtet werden kann. Die richtige Materialwahl hingegen gewährleistet den normalen Unterhalt an einem einmal restaurierten Objekt. Die Denkmalpflege hat somit auch die Aufgabe, traditionelles Handwerk mit traditionellen Materialien zu unterstützen. Diese Erkenntnisse nahmen zu, je mehr sich die Denkmalpflege mit Schäden an Objekten zu befassen hat, deren Restaurierung kaum mehr als eine Generation zurückliegt.

Bauten des Historismus

Vermehrt hatte sich die Denkmalpflege seit etwa 1980 auch mit neueren Bauwerken zu befassen. Dazu gehören insbesondere die zahlreichen Bauten des Historismus aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Neben den grossen markanten Kirchenbauten sind es vor allem die Schulhäuser der gleichen Epoche. Mit dem Studium dieser Bauten und ihres künstlerischen Ausdrucks ging auch die Kenntnis der typischen Baumaterialien des 19. Jahrhunderts einher. Durch neue Transport- und Fabrikationsmöglichkeiten hatten sich diese seit einigen Jahrhunderten gepflegten Traditionen wesentlich verändert. Andere Materialien, erwähnt seien hier nur breitgespannte Stahlkonstruktionen und Gussmörtel zur Herstellung von Kunststeinen, verlangen aber auch spezifische Vorgehen bei der Sanierung und damit einen andern Umgang mit den Objekten.

Der bewusste Gegensatz

Hatte die Denkmalpflege der vorhergehenden Generation insbesondere zum Ziel, Zutaten und Ergänzungen möglichst unerkennbar vorzunehmen, änderte sich dies grundlegend. Der Bogen wurde zum Teil auf die andere Seite überspannt, nach dem Grundsatz, eine Ergänzung bewusst möglichst form- und materialfremd vorzunehmen. Hier war und ist Aufgabe der Denkmalpflege, einen gangbaren Mittelweg zu finden.

Sanierung des Holzbaues

Besonders intensiv waren im Kanton Schwyz die Bemühungen um die Erhaltung von Holzbauten. Es scheint geradezu, dass unserer Generation die Aufgabe zukommt, die überlieferten Bauernhäuser bewohnbar zu erhalten, nachdem in früherer Zeit meistens nur die notwendigsten Unterhaltsarbeiten vorgenommen worden sind. Hier gilt es einen gangbaren Weg zwischen der Substanzerhaltung und den Wünschen der Eigentümer zu finden.

In diesem Zusammenhang ist auch die intensive Forschung an mittelalterlichen Holzbauten zu sehen, wie sie im ganzen Europäischen Raum nirgends betreiben wird. Auslöser dieser intensiven Tätigkeit in Zusammenarbeit mit dem kunsthistorischen Institut der Universität Zürich war das Haus Bethlehem in Schwyz, das überraschend ins Jahr 1287 datiert werden konnte. In der Folge fand sich im Alten Land Schwyz eine Gruppe von rund fünfzehn Bauten mit gleichen stilistischen und baulichen Merkmalen. Bis 2001 konnten sieben Bauten näher untersucht werden. Leider befinden sich die Objekte dieser Gruppe nicht immer in einem Zustand, der eine Erhaltung und Weiternutzung ohne Probleme zulassen würde.

Restaurieren = Teamarbeit

Eine Restaurierung kann nur gelingen, wenn die beteiligten Partner das gleiche Ziel vor Augen haben. Dazu gehören neben der Denkmalpflege selbstverständlich der Eigentümer, sei dies nun die öffentliche Hand oder ein privater Besitzer, der Planer und die ausführenden Handwerker. Je nach Begebenheit ist es notwendig, weitere Partner zuzuziehen. Dies kann der Archäologie, der Historiker, der Bauforscher der Chemiker, der Physiker sein. Der Denkmalpfleger entscheidet nicht im Alleingang, was und wie etwas an einem Kunstdenkmal zu geschehen hat. Er ist jedoch meistens derjenige Partner, der die objektspezifischen Probleme zu ordnen vermag. Als Anwalt des Objektes hat er die Aufgabe, alle beteiligten Partner zu koordinieren, um zu einem entsprechenden Restaurierungskonzept und zu guten Resultaten zu gelangen.