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Chlefele neu auf der Liste des Schweizer Kulturerbes

Eine Initiative des Bundesamtes für Kultur

(AfK/i) Die vom Bundesamt für Kultur zusammengestellte und aktualisierte «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» ist als Web-Inventar unter www.lebendige-traditionen.ch mit umfassender Dokumentation zugänglich. Das Web-Inventar versammelt in allgemeinverständlicher Sprache Wissenswertes zu 199 bedeutenden Formen des immateriellen Kulturerbes in der Schweiz. Neu verzeichnet ist der frühere Fastenbrauch Chlefele.

Mit ihrem Beitritt zum UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes im Jahr 2008 hat sich die Schweiz verpflichtet, ein Inventar ihres immateriellen Kulturerbes zu erarbeiten und regelmässig zu aktualisieren. Ziel der Inventarisierung ist es, die Anerkennung, Aufwertung und Bewahrung des immateriellen Kulturerbes zu fördern. Eine erste Fassung des Inventars wurde 2012 unter dem Titel «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» publiziert.

Für die Aktualisierung dieser Liste wurden die bestehenden Einträge überprüft und verbessert. Bei den 34 Neueinträgen lag der Akzent auf lebendigen Traditionen im städtischen Kontext. Beispiele sind die Wohnbaugenossenschaften, die Technokultur und das Stadtgärtnern in Zürich, die Selbstverwaltung des Autonomen Jugendzentrums AJZ in Biel, die Grossen Berner Renntage, die Revue genevoise, die Sculpture et constructions en neige in La Chaux-de-Fonds oder die Openair-Festivalkultur, die in der gesamten Schweiz gepflegt wird.

Kanton Schwyz mit drittem Eintrag
Bisher war der Kanton Schwyz mit zwei eigenen Beiträgen zur Einsiedler Wallfahrt und zur Greiflet im Inventar des Schweizer Kulturerbes vertreten. Zusätzlich ist er bei 28 weiteren lebendigen Tradi-tionen zusammen mit anderen Kantonen, meist aus der Zentralschweiz, aufgeführt, so mit dem Betruf, der Älplerchilbi, der Fasnacht oder dem Laientheater. Und neu kommt nun ein dritter eigenständiger Schwyzer Eintrag hinzu: Auf Vorschlag der kantonalen Kulturkommission hat die zuständige Kommission beim Bundesamt für Kultur (BAK) das Chlefele in die Liste aufgenommen. In den Nachkriegsjahren verschwand dieser früher weitverbreitete Fastenbrauch weitgehend von der Bildfläche, ausser im Kanton Schwyz. Hier konnte sich das Chlefele halten, weil in den 1960er- und 2000er-Jahren wirksame Massnahmen ergriffen wurden. Nicht zuletzt dank der Einführung von «Priis-Chlefelen» in Schwyz, Muotathal und Steinen, an denen jedes Jahr insgesamt über 400 Kinder teilnehmen, ist die Tradition lebendig geblieben und noch heute vor allem bei der Schuljugend sehr beliebt.

Insgesamt 199 Einträge
Wie bei der ersten Erfassung arbeiteten bei der Aktualisierung der Liste Bund und Kantone zusammen. Der Bund koordinierte das Gesamtvorhaben mit fachlicher Unterstützung der Hochschule Luzern. Die Kantone identifizierten ihre lebendigen Traditionen und machten rund 90 Vorschläge für die nationale Liste. Dabei griffen die Kantone auch Vorschläge aus der Bevölkerung auf. Eine Steuergruppe diskutierte diese Vorschläge und traf eine Auswahl. Sie berücksichtigte neben städtischen Traditionen insbesondere Vorschläge, die auf der vorhandenen Liste bislang nicht vertretene Aspekte und Themen aufweisen. Die aktuelle Liste umfasst neu 199 Einträge.

Die detaillierten Dossiers zu allen Traditionen, die man im Web-Inventar der lebendigen Traditionen findet, haben Fachpersonen im Auftrag der kantonalen Kulturstellen erstellt. Die Dossiers geben einen anregenden Einblick in die grosse Vielfalt der Traditionen, von mündlich überlieferten Traditionen über gesellschaftliche Praktiken, Rituale, Feste bis zu traditionellen Handwerkstechniken und Praktiken im Umgang mit der Natur. Das Web-Inventar zur «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» findet man unter «www.lebendige-traditionen.ch».

Amt für Kultur