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Bauen in lärmbelasteten Gebieten

Mit dem revidierten Raumplanungsgesetz und dem Bevölkerungswachstum steigt der Druck auf bereits eingezontes Bauland. Die vielseitigen Ansprüche wie die Verkehrsraumgestaltung, das Ortsbild, das Bau- und Zonenreglement, die Umgebungs- und Aussenraumgestaltung sowie die Wohn- und Siedlungsqualität zwingen die Beteiligten, praktikable und verhältnismässige Lösungen für übermässig beschallte Räume zu finden.

Wie dürfen Bauzonen in lärmbelasteten Gebieten besser ausgenutzt werden?

Grundsätzlich gilt die Vollzugshilfe „Anforderungen an Bauzonen und Baubewilligungen in lärmbelasteten Gebieten“ des Cercle Bruit (Vereinigung kantonaler Lärmschutzfachleute).
Im kantonalen Merkblatt "Bauen in lärmbelasteten Gebieten" sind kantonale Besonderheiten und Abweichungen festgehalten, wo möglich mit derselben Kapitelnummerierung. Im Zweifelsfall und bei Fragen steht das Amt für Umweltschutz (AfU) gerne zur Verfügung.

Anforderungen bei Überschreitungen bis 3 dB
Neue lärmempfindliche Wohnräume mit Überschreitungen der Immissionsgrenzwerten (IGW) bis 3 dB müssen auf eine lärmabgewandte Seite ohne Überschreitungen natürlich belüftet werden können (Lüftungsfenster). Die Grösse des Lüftungsfensters muss mindestens 5% der Bodenfläche des entsprechenden Raums betragen. Die lärmabgewandte Belüftung kann auch via ein Atrium oder einen Innenhof erfolgen, da dieser die natürliche Belüftung ohne übermässige Lärmimmissionen bei durchgehenden Räumen an mindestens einer Fassade ermöglicht. Die Aussenbauteile der vom Lärm übermässig betroffenen Räume müssen die erhöhten Anforderungen an die Schalldämmung für den Luftschall externer Quellen nach Norm SIA 181 erfüllen.
Bei verbleibenden Überschreitungen der IGW bis 3 dB sind Anträge für Ausnahmen wie folgt zu stellen: Das überwiegende Interesse am Bauvorhaben gemäss Art. 31 Abs. 2 LSV muss von der Bauherrschaft begründet und im Baubewilligungsverfahren schriftlich beantragt werden. Dazu gehört auch eine ausführliche schriftliche Erläuterung, wie Massnahmen nach Art. 31 Abs. 1 LSV und Ziffer 4 ausgeschöpft werden.

Überschreitungen der IGW ab 3 dB und transparente Fassadenbauteile
Anträge für Ausnahmen bei Überschreitungen der IGW über 3 dB werden für neue lärmempfindliche Wohnräume nicht gutgeheissen, da gemäss Rechtsprechung nur unwesentliche Überschreitungen zulässig sind.
Um Überschreitungen der IGW über 3 dB zu verhindern, sind Lärmschutzmassnahmen auszuschöpfen. Anträge für Ausnahmen nach Art. 31 Abs. 2 LSV lassen sich mit transparenten Fassadenbauteilen und Festverglasungen vermeiden. Sie erfüllen jedoch einen wichtigen Zweck des Fensters, die offene Verbindung von innen nach aussen, nicht und sind somit für die Bewohner unattraktiv. Die Belüftung der Räume muss anderweitig erfolgen und eine energetisch sinnvolle Stosslüftung wird verunmöglicht.
Zudem ist die Aussenreinigung schwierig und muss für die oberen Geschosse technisch aufwändig gelöst werden. Aus Sicht des Wohnkomforts sind somit transparente Fassadenbauteile bei Wohnbauten ungeeignet und aus Sicht des Gesetzgebers lärmrechtlich auch nicht beabsichtigt. Mittels transparenten Fassadenbauteilen können Ausnahmen nur vermieden werden, wenn sie keinen Öffnungsmechanismus aufweisen und deren Schalldämmung maximal um 5 dB von den restlichen Fassadenbauteilen abweichen.

Antrag für Ausnahmen und kantonale Zustimmung
Zur Vereinheitlichung der Begründung des überwiegenden Interesses steht ein kantonales Formular "Antrag für Ausnahmen" mit den Grundvoraussetzungen und Kriterien, unterteilt in drei thematische Gruppen zur Verfügung. Das Formular kann von einer beliebigen Person ausgefüllt und muss vor Einreichung an den Kanton von der Baubewilligungsbehörde bestätigt werden.
Nebst den zwingend zu erfüllenden Grundvoraussetzungen müssen mindestens drei Kriterien des überwiegenden Interesses erfüllt werden. Die Beurteilung des überwiegenden Interesses erfolgt per Fachbericht des AfU im Baubewilligungsverfahren.