«Gymnasium» – was wenn es schwierig wird?

Der Wechsel an ein Gymnasium ist für viele Jugendliche ein bedeutungsvoller Schritt. Was anfänglich hoffnungsvoll, selbstbewusst und mit viel Zuversicht beginnt, kann sich bei man-chen Jugendlichen als grössere Herausforderung herausstellen, als angenommen. Doch wel-che Faktoren führen dazu und wie können sie diese Hürden meistern?

Katharina Läubli, Berufs- Studien-, und Laufbahnberaterin in Pfäffikon und Einsiedeln

Die Gründe für einen Wechsel an eine Mittelschule sind vielfältig. Manche Schülerinnen und Schüler entscheiden sich bewusst dafür, weil sie gerne zur Schule gehen, die Noten stimmen und ihnen das Lernen leichtfällt. Oft wird der Entscheid auch damit begründet, dass sie sich nach der Oberstufe keine Berufslehre vorstellen können. Auch hierfür gibt es verschiedene Erklärungen: Jugendliche ziehen es vor, weiter zur Schule zu gehen, sie fühlen sich für den Einstieg in die Arbeitswelt noch nicht bereit oder haben trotz intensiver Bemühungen keinen passenden Lehrberuf gefunden. Alternativ versprechen sie sich mit einem Mittelschulabschluss vielfältigere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. Natürlich orientieren sich viele Jugendliche an den Ratschlägen und Empfehlungen der Eltern. Die Vorstellung, dass Jugendliche in eine Mittelschulausbildung «gedrängt» werden, bestätigt sich jedoch selten.

Ungenügende Lernstrategien führen oft zu schlechteren Noten
Jugendliche, die während der Primar- und Sekundarschulzeit mit minimalem Aufwand sehr gute Noten erreichten, verfügen oft über wenig gefestigte und individuell passende Lernstrategien. Mit dem Wechsel ans Gymnasium erleben sie erstmals in ihrer Schulkarriere, dass ihr bisheriger Lernaufwand und ihre Lernstrategien nicht mehr ausreichen. Sie werden unangenehm überrascht von tieferen, zum Teil ungenügenden Noten und können dieser neuen Erfahrung im ersten Moment nichts entgegensetzen. Die meisten gewöhnen sich in den ersten Monaten an das höhere Tempo, den anspruchsvolleren und umfangreicheren Unterrichtsstoff. Dabei akzeptieren sie, dass ein sehr viel selbständigeres und selbstverantwortlicheres Lernverhalten ein wichtiger Bestandteil des Wechsels ist. Doch was, wenn diese Anpassung trotz grosser Bemühungen nicht geschafft wird? Wenn die Freude und Motivation für die Schule immer mehr leidet und das Selbstvertrauen, die Promotion zu schaffen, schrumpft?

Mögliche Alternativen in Betracht ziehen
Dass die Jugendlichen unter Druck stehen, belastet auch die Eltern. Oft sind sie die treibende Kraft, sich vorausschauend über Mittelschulalternativen zu informieren.
Meistens führt ein ungenügendes oder sehr knappes Semesterzeugnis zu einer Beratung im BIZ.

Dass eine Berufslehre eine mögliche Alternative sein kann und sich die Jugendlichen damit auseinandersetzen müssen, wird von ihnen selbst am Anfang oft als Zusatzbelastung empfunden. Die Zeit der Jugendlichen ist ausgelastet mit Lernen, ihre Sorgen gelten dem Notendurchschnitt und der nächsten Prüfung.

Dass sich ihre Eltern um Gymnasium-Alternativen informieren, empfinden manche als erstes Signal dafür, dass diese bereits mit einem Misserfolg rechnen und nicht mehr an ihr Kind glauben. Solche Themen zu klären ist die Grundlage eines Beratungsgesprächs.

Entspannung in die Situation bringen
Mit der Zusage, dass die Mittelschule weiterhin Plan A ist und bleiben soll, sind die Jugendlichen eher bereit, sich mit einem «hypothetischen Plan B, Berufslehre» auseinanderzusetzen. Da von Beginn weg die Absicht bestand, den Mittelschulweg einzuschlagen, hatte der Berufswahlunterricht in der Oberstufe oft keine hohe Priorität. Dementsprechend werden zuerst diese Grundlagen rund um folgende Fragen erarbeitet: «Welche Berufe kann man über eine Grundbildung erlernen? Wie läuft der Bewerbungsprozess ab? Wie finde ich eine Schnupperlehre? Wie ist der Zeitplan?» Auch weiterführende Fragen tauchen bei den Jugendlichen und Eltern auf: «Schaffe ich den Einstieg in eine Lehre im selben Jahr nach den Sommerferien oder muss ich ein Zwischenjahr machen? Falls ja, welche Möglichkeiten gibt es dafür? Ist ein privates Gymnasium eine mögliche Alternative? Muss ich meinen Berufswunsch, der eine akademische Ausbildung voraussetzt, für immer begraben?»

Mit dem Aufzeigen von konkreten Schritten, Lösungsoptionen und dem Angebot der Berufsberatung, eine fachlich kompetente und individuelle Begleitung und Unterstützung zur Seite zu bekommen, tritt oft eine erste leichte Entspannung ein.

Eigene Interessen und Anforderungen der Berufswelt sind Schlüsselinformationen
Der Zeitplan ist knapp:  Das Ziel ist, dass die Jugendlichen bis zum offiziellen Start des Bewerbungsprozesses im Sommer eine Berufswahl getroffen haben, diese in einer Schnupperlehre überprüft haben, ihr Bewerbungsdossier zusammengestellt haben und erste Vorbereitungen für ein Bewerbungsgespräch gemacht haben. Damit dies gelingt, werden persönliche Interessen und Stärken mit den Anforderungen der verschiedenen Berufslehren verglichen. Zusätzlich werden verschiedene Informationskanäle für die Berufswahl vorgestellt. Daraufhin erstellen die Jugendlichen Bewerbungsunterlagen und organisieren mit der Unterstützung der Berufsberatungsperson und oft auch der Eltern eine oder mehrere Schnupperlehren, um Berufe in der Praxis kennenzulernen. Eine enge Betreuung mit kurzen Abständen zwischen den einzelnen Beratungsterminen ist massgebend. Dies ist eine anspruchsvolle und intensive Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen und der Berufsberatung, die selbstverständlich auch die Eltern immer miteinbezieht.

«Verlorenes Jahr» wird zu gut investierter Zeit
Die Möglichkeit, direkt nach den Sommerferien des aktuellen Schuljahres in eine Berufslehre einzusteigen, sofern eine passende Lehrstelle noch frei ist, gibt es. Da die Auswahl kurz vor Lehrstart teilweise stark eingeschränkt ist, bedeutet dies für die meisten ein Zwischenjahr. Auch dazu ist der Informationsbedarf oft hoch. Je nach Zeitpunkt des Austritts aus der Mittelschule bieten sich diverse Möglichkeiten, wie ein 10. Schuljahr, Praktikum, Sprachaufenthalt, Berufsvorbereitungsjahr etc. Somit wandelt sich auch häufig die Einstellung von «ein verlorenes Jahr» hin zu «gut investierte Zeit».

Im Laufe dieses Entscheidungsprozesses gewinnt die Alternative «Berufslehre» oft an Attraktivität und ihre Vorteile werden wahrgenommen. Die Erkenntnis, dass mit der lehrbegleitenden Berufsmaturität auch der Weg zu einer akademischen Ausbildung offen ist, schafft oft neue Zuversicht. Bis zu einem endgültigen Entscheid bleibt selbstverständlich auch immer die Option bestehen, im Gymnasium zu bleiben.

Die Chance von Gymi-Abbrechenden in der Berufswelt sind intakt
Die schulischen Anforderungen einer Berufslehre orientieren sich am Schulniveau der Oberstufe. In der Regel sind diese Zeugnisse gut bis sehr gut und damit passt das Leistungsniveau auch für anspruchsvolle Berufslehren. Wenn die Jugendlichen nicht allzu schulmüde sind, ist die lehrbegleitende Berufsmaturität (BM1) eine beliebte Ergänzung. Hier geht es in der Beratung oft darum, das angeknackste Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten wiederaufzubauen. Wichtige Voraussetzung für den Wechsel in eine Berufslehre sind eine gut gesicherte Berufswahl und ein klarer persönlicher Entscheid, dafür bereit zu sein, diesen neuen Weg motiviert und engagiert einzuschlagen. Ein Zwischenjahr kann dafür die nötigen Voraussetzungen schaffen. Es bedeutet für die Jugendlichen eine kleine «Verschnaufpause», bevor sie ihr neues Ziel angehen.

Hilfe annehmen
Mit dem Verständnis, welche Einflussfaktoren zu der aktuellen Situation geführt haben, ergeben sich neben der Berufsberatung auch andere sinnvolle Unterstützungsoptionen. So kann ein Nachhilfeunterricht beim Erarbeiten der Lernstrategien oder Aufarbeiten von Lücken in einzelnen Fächern hilfreich sein.

Stellt sich im Gespräch heraus, dass eine psychische Belastung im Vordergrund steht, kann eine psychologische Unterstützung für die Jugendlichen wertvoll sein. Dabei geht es vor allem darum, Druck zu entlasten. Neben der Klassenlehrperson und schulinternen Unterstützungsangeboten ist ein wichtiger Ansprechpartner dafür Triaplus (Integrierte Psychiatrie Uri, Schwyz und Zug). Allerdings ist es aktuell nicht immer einfach, kurzfristig ein passendes Therapieangebot zu finden.

Die Familie als wichtige Stütze
Die Situation, dass ein Kind in der Schule zu kämpfen hat, wirkt sich auf das ganze Familiensystem aus. Eine frühzeitige Anmeldung für einen Beratungstermin im BIZ schafft mehr Zeit, um eine individuelle Lösung zu finden. Sind die Jugendlichen (noch) nicht bereit für einen Beratungstermin, können Eltern sich selbstverständlich auch alleine anmelden, um sich über Alternativen zum Gymnasium zu informieren. Oft sind es die fehlenden Kenntnisse über Handlungsoptionen, die neben der Sorge um das eigene Kind am meisten belasten. Das Schweizer Bildungssystem bietet eine hohe Durchlässigkeit und es gibt zahlreiche Wege, die zu einem Ziel führen. Mit konkreten Informationen dazu können Eltern Zuversicht und Ruhe einbringen – damit der Verbleib im Gymnasium doch noch gelingt oder damit ein Wechsel in eine Berufslehre als zukunftsträchtige und erfolgreiche Alternative gestaltet wird.

Weiterführende Links:
www.sz.ch/berufsberatung
www.triaplus.ch

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Die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (BSLB) des Kantons Schwyz bietet Berufs- und Studienwahlberatungen, Laufbahnberatungen für Erwachsene, Standortbestimmungen, Veranstaltungen zu Beruf, Studium und Weiterbildung, Unterstützung in Entscheidungsprozessen, Diagnostik, Kurzberatungen im BIZ, Bewerbungs-Checks, Integrationsberatungen für Migrantinnen und Migranten und Fachauskünfte zu Aus- und Weiterbildungen. Die BSLB ist regional verankert und mit verschiedenen Partnerorganisationen aus Bildung und Wirtschaft vernetzt.


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