Zusammenhalt durch Perspektivenvielfalt
Wie stärken wir das Miteinander über Abteilungen und Standorte hinweg? Der zweite Amtsanlass des Amts für Volksschulen und Sport am 1. September 2026 widmete sich der Zusammenarbeit und der Kommunikationskultur. Ein Referat von Roland Reichenbach und die Bearbeitung von Geschichten gaben Impulse für die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag.
Unterschiedliche Aufgaben, mehrere Standorte und neue Mitarbeitende. Gleichzeitig verbinden gemeinsame Ziele und ein übergeordneter Leistungsauftrag die Mitarbeitenden. In einem grossen Amt ist es nicht selbstverständlich, dass alle zusammenkommen und so über die eigene Abteilung hinaus im Austausch stehen können. Hier setzte der zweite Amtsanlass an. Er sollte das gegenseitige Kennenlernen fördern, die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit stärken und Gelegenheit bieten, die Kommunikationskultur zu reflektieren.
Verbunden sein, ohne immer einig zu sein
Den fachlichen Impuls gab Prof. Dr. Roland Reichenbach von der Universität Zürich mit seinem Referat «Das ‹Wir›- und das ‹Ich aber nicht!›-Gefühl: Zur Stärke schwacher Bindungen». Dabei beleuchtete er auch die Schattenseiten von zu wenig und zu viel Kohäsion, also Gruppenzusammenhalt. Während fehlende Verbundenheit das Inseldenken begünstigen kann, besteht bei übermässigem Harmoniestreben die Gefahr, dass Zweifel und abweichende Meinungen unausgesprochen bleiben. Zusammenhalt braucht deshalb auch Raum für unterschiedliche Perspektiven und konstruktive Kritik.
Ein Bezugspunkt des Referats war Albert O. Hirschmans «Exit, Voice and Loyalty», welche die drei Strategien Austritt, Ansprechen oder Loyalität zeigen behandelt. Ist beispielsweise eine Sitzung schwierig oder unproduktiv, kann man sie verlassen oder sich künftig nicht mehr beteiligen (Exit), die Probleme offen ansprechen und Verbesserungsvorschläge machen (Voice) oder trotz der Schwierigkeiten bleiben, weil einem die Organisation oder das Projekt wichtig ist (Loyalty).
Dazu passt Reichenbachs Plädoyer für eine «kritische Loyalität». Sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen, schliesst eine kritische Haltung nicht aus. Für die Zusammenarbeit bedeutet dies, dass Verbundenheit mit dem Team und das Einbringen einer abweichenden Sicht zusammengehören dürfen.
Alltagssituationen als Gesprächsanlass
Im Anschluss an die Referats-Diskussionsrunde wurde an den Tischen anhand unterschiedlicher Geschichten konkrete Situationen besprochen. So schildert die Geschichte «Die schnelle Einigkeit» eine Projektgruppe, die sich unter Zeitdruck rasch auf einen Vorschlag verständigt, obwohl mehrere Zweifel haben, diese aber nicht äussern. Die dazugehörige Leitfrage bringt die Herausforderung auf den Punkt. «Was hilft mir, auch eine abweichende oder unbequeme Sicht einzubringen und wie schaffen wir dafür Raum?» Die Antworten dokumentierten die Gruppen direkt auf den Postern.
Gemeinsam weiterdenken
Neben dem Referat standen die Erfahrungen und Überlegungen der Mitarbeitenden im Mittelpunkt. Die Posterarbeit und das World-Café boten Raum, über die Bedeutung von Zusammenhalt und Zusammenarbeit bei der Arbeit nachzudenken und Möglichkeiten für ein stärkeres Miteinander zu diskutieren. Dabei ging es ausdrücklich auch darum, wie die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg gefördert werden kann. Die auf den Postern gesammelten Gedanken und Notizen werden zu einem Zine (einem kleinen Magazin) verarbeitet und allen Mitarbeitenden digital zur Verfügung gestellt werden. So bleiben die Anregungen über den Anlass hinaus zugänglich. Die Analogfotos gehören zum gestalterischen Konzept des Zines, welches die Entwurfhaftigkeit betont. Zum Programm gehörte auch ein abschliessender Apéro als Gelegenheit, den persönlichen Austausch fortzusetzen.