Schwammstadt-Konzept ist im Feldversuch ein Erfolg
Seit April steht auf dem Gelände der ARA Schwyz eine Versuchsanlage für die zukunftsträchtige Schwammstadt-Technologie. Zur Halbzeit des einjährigen Feldversuches wurden die ersten Daten ausgewertet – und diese erweisen sich als vielversprechend.
Das Stadtplanungskonzept «Schwammstadt» wird als verheissungsvolle Lösung gehandelt, mit der in Siedlungsräumen die Auswirkungen der Klimaerwärmung reduziert werden können. Das Prinzip sieht ein klimaangepasstes Wassermanagement vor, mit welchem Niederschläge lokal zurückgehalten und gespeichert anstatt möglichst schnell über die Kanalisation abgeleitet werden. Seit April wird auf dem Gelände der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Schwyz in Seewen eine Versuchsanlage betrieben.
Testsystem hat sich bereits bewährt
Inzwischen hat die modular aufgebaute Anlage mehr als die Hälfte des einjährigen Versuchsbetriebs absolviert. In diesem Zeitraum hat sich das System bereits als ein robustes, vollständig instrumentiertes Testsystem für Schwammstadt-Technologien etabliert. Mehr noch: Es ist geeignet, Kommunen ein besseres Verständnis für die Umsetzung sogenannter blau-grüner Infrastruktur in ihrem lokalen Umfeld aufzuzeigen. Gleichzeitig erweist es sich für Forschende als wertvolle Plattform zur Optimierung des Systemdesigns und zur Überwachung der Leistung unter realen Bedingungen.
Die bisherigen Ergebnisse weisen darauf hin, dass die angewendete Schwammstadt-Technologie stets ausreichend Feuchtigkeit speichert, die den Stauden permanent zur Verfügung steht. Die gute Wasserspeicherfähigkeit des Systems zeigt sich durch die stattfindende Durchwurzelung der Pflanzen bis in die unterste Schicht der verwendeten Steinwolle. So haben alle Staudenarten, die in der Versuchsanlage gepflanzt wurden, den Sommer ohne zusätzliche Bewässerung problemlos überstanden. Eine vollständige Austrocknung wurde trotz direkter Sonneneinstrahlung und Sommertemperaturen von über 30°C nicht beobachtet.
Über 30 Regenereignisse ausgewertet
Auch hat sich im bisherigen Versuchszeitraum bereits gezeigt, dass die Steinwolle Niederschläge wirksam zurückhalten und so Abflussspitzen effektiv dämpfen kann. Durchschnittlich wurde die Abflussmenge je nach Fläche um 20 bis 50 Prozent reduziert. Diese Daten stammen aus mehr als 30 Regenereignissen, die bis Anfang November mit dem System erfasst und ausgewertet wurden.
In der Schwammstadt-Versuchsanlage werden mithilfe einer Klimastation, einer Bodenfeuchtemessung und zwei Kippwaagen, die den Zu- und Abfluss messen, verschiedene wichtige Parameter erfasst. Dazu gehören Niederschlag, Temperatur, Luft- und Bodenfeuchte sowie die elektrische Leitfähigkeit.
Messdaten in Echtzeit öffentlich einsehbar
Bei der Datenerfassung besonders hervorzuheben ist die kontinuierliche Überwachung des Gewichts der Anlage, mit welcher wertvolle Informationen zur Speicherfähigkeit der Steinwolle und zur Dämpfung des Regenwasserabflusses gesammelt werden können. Diese Daten sind nun in der Auswertungsphase. Sämtliche erfassen Daten sind unter www.coolgreen.cloud in Echtzeit öffentlich einsehbar.
Eine weitere Erkenntnis aus dem halbjährigen Versuchszeitraum: Die verwendete Steinwolle zeigt ein vielversprechendes Potenzial beim Rückhalt partikulärer Schadstoffe, insbesondere von sogenannten GUS (Gesamte ungelöste Stoffe). Erste Laborversuche haben das Rückhaltevermögen von Schadstoffen der Steinwolle bereits bestätigt. Diese Ergebnisse werden nun durch Feldversuche weiter verifiziert.
Vertiefte Labortests nach Feldversuch
Die Versuchsanlage bleibt noch für weitere sechs Monate auf dem Gelände der ARA Schwyz in Betrieb, um zusätzliche Daten zu sammeln. Nach Abschluss der Felduntersuchungen im Frühling 2025 wird das System rückgebaut und auf seine langfristige Leistungsfähigkeit als Schwammstadt-Element hin bewertet. Dazu werden vertiefte Untersuchungen der Steinwolle im Labor erfolgen. Diese werden sich auf deren Haltbarkeit sowie die Ablagerung und den Rückhalt möglicher Schadstoffe aus Abwässern konzentrieren.
Zwischenzeitlich wurde die Versuchsanlage nun auf die kälteren Monate vorbereitet. Insbesondere das Rigolensystem, welches sich beim Testsystem in einem gläsernen Kubus befindet, in der Anwendung im Siedlungsraum jedoch in den Boden eingelassen ist, muss vor Frost geschützt werden. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Stauden auch im kommenden Frühling wieder kräftig wachsen.
Das Projekt wird durch die Firma Flumroc AG, dem Amt für Gewässer des Kantons Schwyz und der Gemeinde Schwyz finanziert. Die Projektausführung erfolgt durch das Institut für Umwelt und Verfahrenstechnik UMTEC der Fachhochschule Ost.