20 Jahre nach dem Unwetter vom August 2005

Rückblick und Wirkung

Ablagerungen des Murgangs am Rossberg in Goldau.

Vom 20. bis zum 22. August 2005 fielen Regenmengen wie seit über 100 Jahren nicht mehr. Die heftigen Niederschläge führten innert kürzester Zeit zu massiven Überschwemmungen und Erdrutschen. Besonders betroffen waren die Gemeinden im inneren Kantonsteil.

Ursache der Niederschläge war ein Tiefdruckgebiet, welches sich von Frankreich über den Golf von Genua nach Norden verlagerte und dabei feuchtwarme Luftmassen aus dem Mittelmeer in die Schweiz führte. Am Alpennordhang stauten sich diese Luftmassen und entluden sich in intensiven Regenfällen. Innerhalb von 48 Stunden wurden am gesamten Alpennordhang Niederschlagsmengen von über 100 Litern pro Quadratmeter gemessen. In Einsiedeln erreichte die Messstation mit 152 Millimetern einen neuen Höchstwert und übertraf damit den bisherigen Rekord einer über hundertjährigen Messreihe. Da die Böden nach einem niederschlagsreichen Sommer bereits gesättigt waren, floss das Wasser grösstenteils oberflächlich ab.

Auch die Bäche und Flüsse erreichten historische Spitzenwerte: In Brunnen führte die Muota 425 Kubikmeter Wasser pro Sekunde – über 100 Kubikmeter pro Sekunde mehr als der bisherige Höchstwert seit Messbeginn im Jahre 1916. Hydrologen stufen dieses Ereignis als sehr selten ein, mit einer Wiederkehrperiode von mehr als 200 Jahren. Besonders betroffen war der innere Kantonsteil. Zahlreiche Bäche und Seen traten über die Ufer. Zudem wurden rund 700 Hangmuren und Rutschungen registriert. Mehrere Straßen und Bahnlinien mussten teilweise über Tage hinweg gesperrt werden. Die Schäden beliefen sich auf etwa 80 Millionen Franken.

Felsrutschung und Murgang am Rossberg
Am Abend des 22. August 2005 kam es im Gebiet Nolberg-Gribsch am Rossberg zu einer massiven Felsrutschung in den Mergel- und Nagelfluhschichten. Der Abrissrand war ungefähr 180 Meter breit. Aus der Felsrutschung entwickelte sich ein Murgang mit einem Volumen von rund 200 000 Kubikmetern. Dieser setzten sich mit einer Geschwindigkeit von wenigen Metern pro Minute in Richtung Siedlungsgebiet von Goldau in Bewegung. Am Morgen des 23. August 2005 erreichte der Geschiebestrom das flachere Gelände nördlich des Tierparks, wo er schliesslich zum Stillstand kam. Dieser Murgang ist das grösste Ereignis am Rossberg seit dem Bergsturz von Goldau im Jahr 1806.

Wichtige Erkenntnis aus den Unwettern im Jahr 2005
Das August-Unwetter im Jahr 2005 hat massgeblich dazu beigetragen, dass die Erstellung der Naturgefahrenkarte im Kanton Schwyz vorangetrieben wurde. Es förderte zudem das Verständnis, dass Raumplanung sowie technische und waldbauliche Massnahmen Menschenleben retten und Geld sparen. Seit 2011 verfügt der Kanton Schwyz flächendeckend über Naturgefahrenkarten. Sie werden ab 2026 systematisch auf den neuesten Wissensstand gebracht. Dadurch kann sichergestellt werden, dass die Schadenrisiken durch Naturgefahrenprozesse auch künftig möglichst wenig steigen.

Verschüttetes Ferienhaus im Murganggebiet bei Grisselen am Rossberg.

Umweltdepartement


Sonja Stadlin
Geologin Amt für Wald und Natur
+41 41 819 18 37
(erreichbar: Mittwoch, 20. August 2025, 10.30 – 11.30 Uhr)