Zwei wertvolle Schwyzer Standesscheiben im Rathaus Schwyz platziert

Der Kanton Schwyz verfügt über eine ansehnliche Sammlung von historisch und kunsthistorisch bedeutenden Gegenständen zur Geschichte des Kantons. Unter diesen Preziosen finden sich auch Glasgemälde, die Ausdruck des politischen Selbstverständnisses des Standes Schwyz waren. 2024 konnte die Sammlung um eine bedeutende spätgotische Schwyzer Standesscheibe, die um 1500 geschaffen worden war, erweitert werden. Diese Neuanschaffung wird zusammen mit einer ebenfalls sehr wertvollen Schwyzer Standesscheibe aus dem Jahr 1554 inskünftig im Rathaus Schwyz der Öffentlichkeit präsentiert.

Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nahm in der Eidgenossenschaft der Brauch zu, sich gegenseitig mit Standesscheiben zu beschenken. Als Statussymbol besassen diese Glasgemälde einen hohen repräsentativen Stellenwert und eigneten sich in besonderer Weise zur programmatischen Selbstdarstellung. Obwohl es innerhalb des restlichen Gebietes des Heiligen Römischen Reiches ebenfalls eine gewisse Tradition der Glasmalerei gab, entwickelte sich in der Eidgenossenschaft ein Kunstgewerbezweig typisch schweizerischer Ausprägung mit eigenen Formen. Diese Kunst diente sowohl profanen wie sakralen Zwecken, und es entstand eine spezielle Ikonographie.

Um 1500 schuf der renommierteste Glasmaler seiner Zeit, Lukas Zeiner (um 1454 bis kurz vor 1513) aus Zürich, den eigentlichen Prototypen der eidgenössischen Standesscheiben. Zentrales Element von Lukas Zeiners Standesscheiben ist die Wappenpyramide mit zwei Standeswappen, die sich in sogenannter heraldischer Höflichkeit zugeneigt sind. Diese Wappen werden vom Reichswappen und der Reichskrone überhöht. Bei den beiden letzteren handelt es sich um die Symbole des Heiligen Römischen Reichs, zu dem die Eidgenossenschaft bis ins 17. Jahrhundert gehörte.

Diesem ikonographischen Programm folgt auch die vom Kanton im vergangenen Jahr erworbene aussergewöhnliche Standesscheibe Lukas Zeiners. Auf einer Grasfläche stehen zwei den Stand Schwyz repräsentierende Krieger in Vollrüstung. Der (heraldisch) linke hält das Schwyzer Juliusbanner. Ihnen zu Füssen erhebt sich die Schwyzer Wappenpyramide, bestehend aus den Schwyzer Wappenschilden (ohne Kreuz), überhöht vom bekrönten Reichswappen. Wo diese Standesscheibe einst Verwendung fand, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Da während der Helvetik (1798–1803) die alten Herrschaftszeichen an öffentlichen Gebäuden verboten waren, wurden die Standesscheiben vielerorts entfernt. Zahlreiche Exemplare gingen so ins private Eigentum von Sammlern aus ganz Europa über. Vor diesem Hintergrund darf die Ergänzung der kantonalen Staatsaltertümersammlung mit diesem Glasgemälde als Glücksfall bezeichnet werden.

Darüber hinaus korrespondiert die Wappenscheibe von Lukas Zeiner mit einem weiteren Glasgemälde, das seit 1975 Teil der Schwyzer Staatsaltertümersammlung ist und Carl von Aegeri (um 1510–1562), einem ebenfalls hervorragenden Zürcher Glasmaler seiner Zeit, zugeschrieben wird (Abb. 2). Letztere datiert aus dem Jahr 1554 und ist somit etwa ein halbes Jahrhundert jünger als jene von Lukas Zeiner. Dargestellt ist ebenfalls eine Wappenpyramide, die von zwei Schildhaltern flankiert wird. Als Schildhalter dienen ein Bannerträger und ein stilisierter Krieger. In den Zwickelbildern ist rechts der Tellensprung dargestellt, links eine Schäferszene. Die Bildprogramme beider Scheiben mit Wappenpyramide, Bekrönung, Krieger als Schildhalter und Träger des Schwyzer Banners stimmen ikonographisch überein. Die stilistische und ikonographische Weiterentwicklung der eidgenössischen Glasmalkunst des 16. Jahrhunderts wird anhand beider Standesscheiben offensichtlich.

Beide Glasgemälde wurden nun im Vorraum zum Kantonsratssaal platziert und sind so für die Öffentlichkeit inskünftig zugänglich. Weitere Informationen zu den beiden Glasgemälden sowie zu weiteren Schwyzer Standesscheiben in Kantonsbesitz erscheinen im Herbst 2025 in den «Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz».


Abb. 1: Schwyzer Standesscheibe von Lukas Zeiner.


Abb. 2: Schwyzer Standesscheibe von Carl von Aegeri.

Amt für Kultur


Valentin Kessler
Staatsarchivar
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