«Eine A4-Seite Lebenslauf genügt schon lange nicht mehr»
«…und, was machst du beruflich?» Ob bei einem Familienfest, im Ausgang, im Verein oder bei einem geschäftlichen Anlass – im Verlauf eines Gesprächs mit Personen, die man schon lange nicht mehr oder noch nie gesehen hat, taucht meistens die Frage zum Berufsleben auf. Wie würden Sie darauf antworten?
Martina Petrig, Verantwortliche Kommunikation BSLB
Eine ähnliche Situation, wie oben, erlebte ich zu Beginn meiner letzten berufsbegleitenden Weiterbildung. 18 unbekannte Gesichter sassen mit mir wöchentlich im selben Klassenzimmer.
Sowohl Mitschülerinnen und Mitschüler als auch Dozentinnen und Dozenten wollten neben unseren Namen und Ausbildungszielen in der Vorstellungsrunde wissen, was wir sonst beruflich tun.
Natürlich hätte ich es in einem Satz zusammenfassen können: «Ich bin Martina, Verantwortliche Kommunikation an der BSLB im Kt. Schwyz und das Ziel dieses Diploms ist…» Doch diese Antwort stellte mich nicht zufrieden. Ich verspürte den Wunsch, mehr von meinen unterschiedlichen Haltestellen preiszugeben. Schliesslich gehören sie zu mir, und dank diesen wichtigen Grundsteinen, Erfahrungen, Ausbildungen und Begegnungen während meiner vergangenen Jahre in der Arbeitswelt, stehe ich da, wo ich heute bin – Eine Erkenntnis, die sich erst in den letzten Jahren bei mir festigte.
Vom klaren Plan zum Nichtlinearen
5. Primarklasse. Zeichnen. Thema Traumjob: Ein hellbraunes Gipfeli, umrahmt von einem blauen Schriftzug zierte mein Zeichnungspapier – es sollte mein Logo für meine zukünftige Bäckerei darstellen. Aufgewachsen mit einem Koch als Elternteil hatte ich früh eine starke Verbindung zu Selbstgemachtem. So war für mich bis über den Berufswahlprozess klar: Ich möchte frühmorgens in der Backstube frische Produkte herstellen.
Um die gleiche Zeit bekam ich meine erste Stereoanlage. Ich klebte förmlich an den Radioboxen und lauschte den magischen und für mich unantastbaren Stimmen. Der Wunsch, selbst eine Stimme davon zu sein, schlummerte bis zu meiner Teeniezeit in meinem Unterbewusstsein und ploppte während der Lehrzeit wieder auf. Nächtelang recherchierte ich mögliche Einstiegsmöglichkeiten in den Journalismus und setzte alles daran, mir diesen Traum zu erfüllen.
Die Suche nach Erfüllung im Job
Seit ich mich erinnern kann, reflektiere ich Prozesse und Wege. Nach rund zehn Jahren Berufserfahrung umfasst mein Lebenslauf längst mehr als eine A4-Seite. An manchen Tagen zweifelte ich an meinen Entscheidungen von so vielen Wechseln, an anderen war ich stolz auf meinen Erfahrungsschatz und alle beruflichen und schulischen Begegnungen. Ich suchte Antworten dafür, warum ich nie genug Ziele erreichen konnte und ständig neue Herausforderungen suchte.
Erst in den vergangenen Jahren begriff ich, dass diese Vielfalt des Ausprobierens und das unterschiedliche Interesse zu mir gehört und jede Haltestelle eine weitere Schnittstelle mit sich brachte. Die Suche nach kreativen Prozessen und das Stillen meines Wissenshungers.
Dies kann ich in meiner aktuellen Funktion verbinden: Meine Kreativität, mein Interesse an packenden Geschichten sowie die Neugier nach allen möglichen Branchen, Berufen und deren Inhalte.
Unsere beruflichen Rucksäcke dürfen sich unterschiedlich üppig und schnell füllen und egal bei welchen Haltestellen wir ein- oder aussteigen – jede einzelne davon bringt wertvolle Erfahrungen und Kompetenzen mit sich, die wir am nächsten Ort gezielt einsetzen können.
Was es dafür braucht – Mut und Neugier!
Bildlegende: Lebenslauf-Eckpfeiler seit Lehrbeginn bis Sommer 2024. (nicht zwingend nötig)