Japankäfer bedroht Naturschutzgebiet am Lauerzersee
Der Quarantäneorganismus wird mit Fadenwürmern bekämpft
Weil eine erst kleine Population des Japankäfers im Sägel beim Lauerzersee gefunden wurde, scheinen die Bekämpfungsaussichten erfolgsversprechend. Dazu muss nun zügig gehandelt werden. Noch bevor sich die Larven in tiefere Bodenschichten zurückziehen, sollen sie mit Fadenwürmern bekämpft werden.
Erste kleine Population im Sägel gefunden
Im Rahmen der Gebietsüberwachung mittels Pheromonfallen (Duftstofffallen) wurde im Naturschutzgebiet Sägel auf dem Boden der Gemeinde Arth eine kleine Population von Japankäfern gefunden. Mit insgesamt acht Käfern, fünf im Zentrum des Naturschutzgebietes und drei etwas ausserhalb, ist die gefundene Population noch klein im Vergleich zum Südtessin, dem Simplon, dem Kanton Zürich oder den beiden Basel. Trotzdem kann bei fünf Käfern in der gleichen Region nicht mehr von Zufallstreffern, sogenannten «Hitchhikern», gesprochen werden.
Feuchtgebiet als Eiablagestandort bevorzugt
Wenn Quarantäneorganismen mit grossem Schadpotenzial auftreten, müssen diese gemäss den Vorgaben des Bundes rigoros bekämpft werden, um sie möglichst wieder auszurotten. Gemäss heutigem Wissensstand ist das Zentrum des Befallsherdes im Naturschutzgebiet Sägel. Da der Populationsdruck noch niedrig ist und die Umgebung im Sägel genau den bevorzugten Flächen für die Eiablage entspricht (ungestörte Böden, feuchte und mit Gräsern bewachsene Standorte in der Nähe von Wirtspflanzen, Feldrändern oder Büschen), liegt es nahe, dass die Käfer ihre Eier in den geografisch nächstgelegenen, geeigneten Stellen im Sägel ablegten.
Nematoden zur Engerlings Bekämpfung
Mit Ausnahmebewilligung durch die Fachstelle Naturschutz werden deshalb im Auftrag des Amtes für Landwirtschaft in einem Radius von rund 300 Metern um den Hotspot der gefundenen Japankäfer im Sägel Nematoden (Fadenwürmer) ausgebracht. Die Nematoden vermehren sich in den Larven des Japankäfers und töten sie damit ab. Die Fadenwürmer sind in unseren Böden natürlicherweise vorhanden und gemeinhin als nützliche Nematoden bekannt. Damit die Nematoden die Engerlinge ausreichend bekämpfen können, wird ihre Konzentration im Boden kurzfristig erhöht. Finden die Nematoden keine Engerlinge, sterben sie nach kurzer Zeit ab. Dies ist auch der Fall, wenn die Bodentemperaturen im Jahresverlauf sinken werden. Von der Behandlung ausgeschlossen werden die offenen Wasserflächen und das Schilf mit sichtbar stehendem Wasser. Für uns Menschen oder auch Tiere wie beispielsweise Hunde, Katzen, Schafe, Rindvieh etc. sind diese Fadenwürmer völlig unbedenklich.
Käfer mit grossem Schadenpotenzial
Der Japankäfer Popillia japonica sieht ähnlich aus wie der Maikäfer, macht auch ähnliche Schäden, jedoch ist er viel kleiner. Im Gegensatz zum Maikäfer macht er nicht nur eine Generation alle drei Jahre, sondern jedes Jahr eine Generation. Er verursacht an mehr als 400 Wirtspflanzen Frassschäden. Die Larve (Engerling) frisst ausserdem unterirdisch an Wurzeln. Zudem können sekundäre Schäden durch Vögel oder Wildschweine entstehen, welche die Larven im Boden suchen und deshalb die Grasnarbe verletzen. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat bei einer Evaluation 2019 den potenziellen Schaden in der Landwirtschaft (Ernteausfall pro Jahr) auf 35.7 Mio. Franken pro Jahr (minimal) – 357 Mio. Franken pro Jahr (maximal) geschätzt. Erfahrungen aus den USA zeigen, dass die wirtschaftlichen Schäden in Rasenflächen (Parks, Sportfelder, Gärten etc.) ungefähr nochmal so hoch sind, wie die Schäden in der Landwirtschaft.
Der Japankäfer reist gerne als blinder Passagier mit und ist vermutlich auf diese Weise nach Goldau gekommen. Die erwachsenen Käfer können jedoch auch gut fliegen. Bei grossem Populationsdruck fliegen die Weibchen bis zu 15 km. Ist der Populationsdruck niedrig und hat der Käfer genug Fläche zur Eiablage und Futter, bewegt er sich nur wenig. Die Eiablage erfolgt in den geografisch nächstgelegenen, geeigneten Stellen. Da das erste Larvenstadium, welches kurz nach der Eiablage schlüpft, auf Feuchtigkeit im Boden angewiesen ist, dürfte sich der Käfer im Feuchtgebiet im Sägel wohl fühlen. Gemäss Lebenszyklus, der in der untenstehenden Grafik gezeigt ist, befinden sich die Larven derzeit in den oberen fünf Zentimeter des Bodens. Mit kühleren Temperaturen zieht sich das dritte und letzte Larvenstadium im Verlauf des Oktobers langsam in tiefere Bodenschichten zurück. Der Nematodeneinsatz muss deshalb zwingend noch vorher geschehen.
Was tun bei einem Fund?
Wer einen verdächtigen Käfer sieht, sollte ihn einfangen und einfrieren. Um den Fund zu bestätigen senden Sie bitte ein scharfes Bild des toten Käfers an afl@sz.ch. Optimalerweise legen Sie für das Foto ein Lineal oder oder Fünfräppler neben das tote Tier um die Grössenverhältnisse direkt abzubilden. Geben Sie ausserdem Ihren Namen und den Fundort an.
Wie weiter?
Die betroffenen Bewirtschafter und Bewohner werden über den Einsatz durch das Amt für Landwirtschaft direkt informiert. Der Nematoden-Einsatz erfolgt je nach Wetterverhältnissen und Verfügbarkeit der Nematoden ab Kalenderwoche 39 oder 40 und wird durch spezialisierte Unternehmer durchgeführt. Besucher des Sägels sind gebeten, darauf zu achten, keine lebenden Käfer an Kleidern, im Auto oder Rucksack wegzutransportieren. Der Transport von getrocknetem Schnittgut oder Siloballen stellt kein Problem dar. Diese können weiterhin aus dem Sägel abtransportiert werden.
Auskünfte über den Stand der Arbeiten erteilt das Amt für Landwirtschaft bis auf Weiteres jeweils montags von 10 bis 11 Uhr unter 041 819 15 34. Schriftliche Anfragen können gerichtet werden an afl@sz.ch.
Amt für Landwirtschaft
Elias Schuler
Fachperson Strategie und Planung