Im Beautysalon der Züchter
Teil 1 der OLMA-Serie
Kurz vor dem Auftritt werden die schönsten Schwyzer Kühe gewaschen, geföhnt und geschoren. Was im Ring der OLMA mühelos aussieht, ist das Resultat wochenlanger Vorbereitung. Als Gastkanton bringt der Kanton Schwyz vom 8. bis 18. Oktober 2026 auch seine Tiere nach St. Gallen. Damit diese in den vorderen Rängen mitmischen, scheuen die Züchter keinen Aufwand.
Wie das geht, weiss Angela Steiner, Tierzuchtlehrerin und Präsidentin der Schwyzer Jungzüchter. Bevor eine Kuh in den Ring darf, wird sie mit einem sanft eingestellten Hochdruckreiniger und speziellem Shampoo gewaschen. Im Stylingstand beginnt die Feinarbeit: Die Rückenhaare werden zur sogenannten Topline aufgestellt, einer aufgerichteten Haarlinie, und dann minutiös zurechtgeschnitten. «Das Ziel ist, dass man nicht mehr erkennt, wo der Rücken endet und die Topline beginnt», erklärt Steiner. Der Schwanz wird aufgebürstet, das Fell mit Spray zum Glänzen gebracht.
Was ein Styler macht
Tier-Styling ist ein Handwerk für sich. Die Styler sind meist nicht die Bauern selbst, sondern erfahrene Spezialisten. An der OLMA organisiert der Viehzuchtverband des Kantons Schwyz eigene Leute, welche die Schwyzer Kühe herausputzen. Erfolg ist gute Werbung: Wer Tiere stylt, die gewinnen, wird mehr gebucht. Schnell geht das nicht – allein das vollständige Scheren zu zweit benötigt gut anderthalb Stunden.
Schon zu Hause beginnt die Vorarbeit: Das Tier muss kerngesund sein und gut fressen, ans Halfter und ans Führen gewöhnt sein. Es wird mehrmals gewaschen und rund einen Monat zuvor erstmals geschoren, damit das Fell bei der Prämierung glänzt. Geschoren wird auch, damit Muskulatur, Knochenbau und Euter besser sichtbar sind.
Gut reglementiert und streng kontrolliert
Das Styling hat klare Grenzen. Erlaubt sind das Aufföhnen und Zurechtschneiden der Topline, Glanz- und Fixiersprays, das Aufbürsten des Schwanzes und das Nachdunkeln der Klauen. Verboten sind das Einfügen von Haaren, das Einölen des Euters und jede Manipulation daran – etwa, indem Milch gezielt nur aus einem Euterviertel gemolken wird, damit das Euter ausgewogener wirkt.
Die Regeln stammen von der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rinderzüchter (ASR). Vor dem Ring kontrollieren Fachleute jedes Tier, an grossen Schauen wird der Euterdruck sogar per Ultraschall geprüft. Dass kaum manipuliert wird, hat noch einen Grund: «Du gehst mit deinem wertvollsten Tier in den Ring – da bist du nicht so unklug, es zu schädigen», sagt Steiner.
Schön bedeutet auch gesund
Schönheit ist an der Prämierung kein Selbstzweck. Was im Ring belohnt wird, folgt einer anderen Logik. «Das Zuchtziel ist kein willkürliches Schönheitsideal – dahinter steckt immer ein wirtschaftlicher und gesundheitlicher Gedanke», sagt Steiner. Ein Euter etwa soll hoch und breit angesetzt sein, damit es nach mehreren Kalbungen nicht zu tief hängt; ein tiefes Euter erschwert das Melken und erhöht Verletzungs- und Infektionsrisiken.
Vor allem aber ist ein ausstellungsbereites Tier das Ergebnis ganzjähriger Pflege: «Eine Kuh, die nicht das ganze Jahr über gut versorgt ist, kann am Tag X nicht plötzlich super aussehen», betont Steiner. Am Ende entscheidet ein einzelner Richter. Auf OLMA-Niveau liegen die Tiere so eng beieinander, dass Steiner es mit dem Spitzensport vergleicht: «Das ist wie beim Skifahren – nur entscheiden bei uns Nuancen im Körperbau statt Millisekunden.»
Warum sich der Weg nach St. Gallen lohnt
Immer weniger Menschen kennen jemanden, der einen Hof führt; der Draht zur Landwirtschaft ist selten geworden. Die OLMA stellt ihn wieder her, mit einem Einblick aus nächster Nähe. «Man kann unser Metier hautnah erleben und sieht schöne Tiere, denen es wohl ist», beschreibt Steiner die Messe. Für die Branche ist sie zugleich ein Klassentreffen mit Kollegen aus der ganzen Deutschschweiz.
Als Gastkanton zeigt Schwyz, wofür seine Landwirtschaft steht: für gesunde, leistungsfähige Tiere als Zeichen gut gehaltener Herden. Wer sich selbst überzeugen möchte, reist günstig an: Das OLMA-Reiseticket gibt es ab 1. September 2026 unter sob.ch/olma.
Volkswirtschaftsdepartement
Peter Reichmuth
Departementssekretär
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