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Steinwolle überzeugt im Schwammstadt-Test

Nach 18-monatigem Betrieb der Schwammstadt-Versuchsanlage zeigt sich: Das Pilotprojekt brachte erfreuliche Ergebnisse. Die als neuer Baustein eingesetzte Steinwolle erfüllte die Erwartungen – ausser in einem Bereich.

Ab April 2024 stand auf dem Gelände der Abwasserreinigungsanlage Schwyz in Seewen eine Versuchsanlage zum Schwammstadt-Prinzip. Ziel des 18-monatigen Versuchsbetrieb war es, die Eignung von Flumroc-Steinwolle als Schwammstadt-Baustein zur Regenwasserbewirtschaftung zu prüfen. Dafür wurde die Steinwolle mit einem Pflanzensubstrat und heimischen Stauden kombiniert. Anschliessend fand eine Beurteilung insbesondere hinsichtlich Wasserspeicherung, Abflussverhalten sowie Auswirkungen auf das Mikroklima während Hitzeperioden statt.

Hohe Speicherfähigkeit erwiesen

Während des eineinhalbjährigen Projektzeitraums wurden die Daten von insgesamt 102 Regenereignissen ausgewertet – mit vielversprechenden Resultaten: Die Steinwolle zeigte eine hohe Wasserspeicherfähigkeit und dämpfte Spitzenabflüsse wirksam. Selbst im Sommer trocknete sie nie vollständig aus. Die Pflanzen bildeten kräftige Wurzeln, welche bis in die unteren Schichten der Steinwolle vordrangen – ein Hinweis auf gute Wasserverfügbarkeit und stabiles Wachstum.

Die Kombination aus Steinwolle und Bepflanzung hat sich als funktionales, ökologisch wertvolles und gestalterisch ansprechendes Element für das Schwammstadt-Prinzip erwiesen. Zusätzlich konnte eine Verbesserung des Mikroklimas festgestellt werden, indem die Wasserspeicherung zur Kühlung der Umgebung und der Erhöhung der Luftfeuchtigkeit beitrug.

Für Schadstoffe weniger gut geeignet

In einem Punkt jedoch musste sich die Steinwolle geschlagen geben: Die Untersuchungen zur Rückhaltung von Schadstoffen, insbesondere Schwermetallen, zeigten, dass für belastetes Niederschlagswasser bekannte Behandlungsverfahren wie Adsorber besser geeignet sind. Soll also auch schadstoffhaltiges Wasser behandelt werden, müsste die Steinwolle mit entsprechenden Anlagen zur Regenwasserbehandlung kombiniert werden, beispielsweise mit Adsorberanlagen. Nur so könnte ein ausreichender Reinigungseffekt erzielt werden.

Das in Seewen getestete System eignet sich insbesondere für Wohngebiete, entlang von Quartierstrassen sowie für öffentliche Plätze und Parkflächen – also überall, wo Regenwasser als nur gering verschmutzt gilt. Hingegen gab es bezüglich Schadstoffe auch positive Effekte: Auswaschungsversuche bestätigten, dass die Steinwolle selbst keine relevanten Schadstoffe freisetzt. Alle chemischen und ökotoxikologischen Grenzwerte wurden eingehalten. Negative Auswirkungen auf das Grundwasser sind durch die eingesetzte Steinwolle daher nicht zu erwarten.

Ziel: Schwammstadt-Projekte mit Steinwolle

Die Versuchsanlage diente als Praxislabor, in welchem ein solches System unter realen Bedingungen getestet wurde. Dabei zeigte sich: Bereits kleine Massnahmen – in diesem Fall der Einsatz der Steinwolle – können eine grosse Wirkung erzielen. Ziel sollte es nun sein, die Steinwolle zukünftig bei der Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips bei grösseren Bauvorhaben zu berücksichtigen. So kann ein positiver Beitrag zur Bewirtschaftung von Regenwasser geschaffen werden, gerade im Hinblick auf die klimatisch veränderten Rahmenbedingungen.

Durch die enge Zusammenarbeit mit Hochschulen und Industrie konnten beim Projektversuch wertvolle Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Praxistauglichkeit gewonnen werden. Auf Basis dieser Erfahrungen lassen sich nun Empfehlungen für die Planung und Umsetzung geeigneter Massnahmen entwickeln. Gleichzeitig beschleunigt ein derartiges Pilotprojekt den Transfer von Innovationen in die Praxis.

 

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