Revitalisierung
Im Rahmen des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (GSchG) weist der Bund in Art. 38a die Kantone an, für Revitalisierungen von Gewässern zu sorgen. Sie sollen dabei den Nutzen für die Natur und Landschaft sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen berücksichtigen.
Der Kanton Schwyz hat diesen Auftrag entgegengenommen und ihn im Wasserrechtsgesetz (WRG) in § 43 wie folgt formuliert:
- 1 Behörden und Amtsstellen des Kantons, der Bezirke und Gemeinden sorgen dafür, dass öffentliche und private Gewässer als Lebensräume für einheimische Tier- und Pflanzenarten sowie als Landschaftselemente erhalten und wenn möglich verbessert werden.
- 2 Kanton und Bezirke unterstützen und fördern Massnahmen, die der Revitalisierung eines Fliessgewässers dienen oder einen naturnahen Hochwasserschutz darstellen.
Der Kanton fördert Bezirke, Gemeinden, Private, Stiftungen und andere Körperschaften in den Bestrebungen, wertvolle Lebensräume neu zu schaffen oder bestehende aufzuwerten. Zudem achtet er darauf, dass im Rahmen von Hochwasserschutzprojekten die Massnahmen nach bester Möglichkeit einem naturnahen Zustand gleichkommt.
Die Rechtsgrundlagen können über untenstehende Links eingesehen werden:
- Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (GSchG)
- Gewässerschutzverordnung (GSchV)
- Wasserrechtsgesetz des Kantons Schwyz (KWRG)
Ziele der Revitalisierung
Mit der Umsetzung von Revitalisierungen und Erfüllung des Bundesauftrags werden folgende Ziele angestrebt (Aufzählung nicht abschliessend):
- Verbessern der Eigendynamik und Strukturvielfalt von Gewässern;
- Wiederherstellen des natürlichen Geschiebetransports und Förderung einer morphologischen Vielfalt;
- Erstellen und vernetzen von gewässernahen Lebensräumen;
- Wiederherstellen der aquatischen Längsvernetzung;
- Verbessern der terrestrischen Quer- und Längsvernetzung;
- Verbessern der standortgerechten Ufervegetation;
- Verbessern des Hochwasserschutzes: Durch die Renaturierung von Bächen kann die Abflusskapazität des Gerinnes verbessert und die Fliesszeit der Gewässer verlängert werden;
- Reaktivieren der Selbstreinigungskraft;
- Schaffen von naturnahen Erholungsräumen, welche für die Bevölkerung zugänglich sind.
Strategische Revitalisierungsplanung Seeufer
In Art. 41d Abs. 1 der Gewässerschutzverordnung weist der Bund die Kantone an, die Grundlagen für die Planung der Revitalisierungen der Gewässer zu erarbeiten.
Der Kanton Schwyz hat im Jahr 2022 eine strategische Revitalisierungsplanung für die Abschätzungen zum ökologischen Aufwertungspotential erstellt. Diese konzeptionelle Arbeit kann als Arbeitsgrundlage für konkrete Revitalisierungsideen oder Priorisierungen von Gewässeraufwertungsmassnahmen dienen.
Strategische Revitalisierungsplanung Fliessgewässer
In Art. 41d Abs. 1 der Gewässerschutzverordnung weist der Bund die Kantone an, die Grundlagen für die Planung der Revitalisierungen der Gewässer zu erarbeiten.
Der Kanton Schwyz hat im Jahr 2014 eine strategische Revitalisierungsplanung für die Abschätzungen zum ökologischen Aufwertungspotential erstellt. Diese konzeptionelle Arbeit kann als Arbeitsgrundlage für konkrete Revitalisierungsideen oder Priorisierungen von Gewässeraufwertungsmassnahmen dienen.
Als massgebende Grundlage für die strategische Revitalisierungsplanung diente die ökomorphologische Erhebung und Kartierung, welche durch das Amt für Gewässer ausgeführt wurde.
Die strategische Revitalisierungsplanung bildet eine Grundlage für die strategische Planung zur integralen, sektorenübergreifenden Planung von zukünftigen Wasserbauprojekten.
Revitalisierungsprojekte
Leewasser und Klosterbach, Ingenbohl
Das Leewasser und der Klosterbach sind wichtige Laichgewässer der Seeforelle. Sie durchfliessen das Gemeindegebiet von Ingenbohl und münden in den Vierwaldstättersee. Beide Bäche sind von Grundwasser gespiesen und flossen in der Vergangenheit monoton, ohne Strukturen im Gewässer.
Mittels lnstream-Massnahmen wie Störsteinen im Gerinne, Wurzelstöcken, Lenkbuhnen, Faschinen, Fischunterständen und Kiesschüttungen als aquatische Lebensräume sowie gezielter Uferbestockung wurden die beiden Bäche aufgewertet.
Entstanden sind strukturreiche Abschnitte mit Strömungs- und Tiefenvariabilität.
Durch die Revitalisierung wurde das gesamte Gewässersystem von knapp 3500 m aufgewertet und die unterschiedlichen Lebensräume sind heute besser miteinander vernetzt.
Das Leewasser und der Klosterbach in Ingenbohl verfügen neu über strukturreiche Abschnitte, geeignete Laichplätze für Seeforellen und Fischunterstände.
Sandbach, Ingenbohl
Der Sandbach ist ein potenziell wichtiges Laichgewässer der Seeforelle, welcher das Gemeindegebiet von Ingenbohl durchfliesst und ins Leewasser mündet. Der Sandbach zeigte sich vor dem Projekt als monotoner und strukturarmer Kanal mit grossem Bewuchs und unzureichender Uferbestockung.
Die Strukturvielfalt, die Breiten- und Tiefenvariabilität des Gewässers sowie die Böschungen wurden ökologisch aufgewertet. Durch punktuelles Verlegen der rechtsseitigen Uferlinie und Strukturen innerhalb der Sohle wie Lebendbuhnen, Störsteinen, Wurzelstöcken, Faschinen, Sohlgrundbuhnen und Kiesschüttungen ist ein leicht pendelnder Gewässerverlauf entstanden.
Nach der Revitalisierung zeigt sich der Sandbach strukturreich, es sind vielseitige Lebensräumen entstanden. In den strömungsintensivierten Furt-Sequenzen finden die Forellen Laichplätze und es entstanden Lebensräume für Makrozoobenthos. Es ist zu erwarten, dass in diesen Bereichen auch der Wasserpflanzenbewuchs abnimmt. In den Kolk-Sequenzen entstanden Rückzugsorte für Wasserlebewesen. Diese Bereiche werden durch die Lebendbuhnen möglichst flächig beschattet.
Der Sandbach in Ingenbohl zeichnet sich neu durch unterschiedliche Strukturen aus, die Lebensraum für verschiedene aquatische Tiere bilden.
Johannisbächli, Einsiedeln
Die Revitalisierung des Johannisbächlis und des Nebengerinnes markiert einen bedeutenden Schritt zur Aufwertung des Lebensraums für Mensch und Natur. Dieses Projekt zielt darauf ab, den schlechten baulichen Zustand der Bachverbauung zu beheben und gleichzeitig einen naturnahen, ökologisch wertvollen Bachlauf zu schaffen.
Durch die Wiederherstellung einer natürlichen, variierenden Sohlenbreite und die variable Gestaltung der Böschungen wird eine eigendynamische Entwicklung des Gewässers ermöglicht. Diese Massnahmen fördern die Ausbildung von Prallufern und Gleithängen, die wichtig für eine natürliche Flussdynamik sind. Zudem wird eine gewässergerechte, standorttypische Vegetation angepflanzt, die wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bietet. Dadurch entstehen wichtige Lebensräume für Insekten, Kleinsäuger, Amphibien und Reptilien.
Ein zentrales Ziel der Revitalisierung ist der verbesserte Hochwasserschutz, insbesondere bei der Eindolung in den Dorfbach. Durch eine neue Gerinnegestaltung mit Blockriegeln, natürlichen Böschungen und Kleingewässern wird ein unverzweigter, gestreckter bis leicht pendelnder Verlauf hergestellt. Die Uferböschungen wurden so flach wie möglich gestaltet, um die Sicherheit bei Hochwasserereignissen zu erhöhen.
Durch diese Massnahmen wird das Johannisbächli zu einem wertvollen Lebensraum und einem wichtigen Meilenstein in der ökologischen Vernetzung des Bezirks Einsiedeln.
«Läbigi Minster» (in Projektierung)
Die Minster ist ökologisch in einem schlechten Zustand. Die Verbauungen sind sanierungsbedürftig und schützen nicht mehr ausreichend vor Hochwasser. Gemeinsam mit den Bezirken Schwyz und Einsiedeln sowie dem Kanton Schwyz plant die SBB, die stark verbaute Minster in Unteriberg wieder natürlicher zu gestalten. Damit setzt die SBB eine Bedingung aus der neuen Konzession für das Wasserkraftwerk Etzelwerk um. Die Minster wird dadurch wieder zur Heimat für viele einheimische Tiere und Pflanzen und die Umgebung wird besser vor Hochwasser geschützt.
Revitalisierungs- und Hochwasserschutzprojekt «Läbigi Minster» | SBB
Seeufer Ennet Aa, Lachen
Auf einer Länge von 300m wurde das befestigte Seeufer abgeflacht und so wertvolle Flachwasserzonen gebildet. Mit Buhnen und darin integrierten Raubäumen entstanden wellenberuhigte Buchten, um eine Ufererosion zu vermindern. Eine bestockte Insel wurde neu geschaffen. Das Seeufer wurde mit Röhricht, Gehölzen und diversen Kleinstrukturen ergänzt. Die Wiese im Uferbereich wurde neu angesät und soll in Zukunft extensiv bewirtschaftet werden. Mit diesen Massnahmen erfolgte eine deutliche, gewässerökologische Aufwertung des Seeufers.
Riethofbach und Pfäffiker Ried, Freienbach
Der Riethofbach ist bei Normalwetter ein kleiner, jedoch permanent wasserführender Bach mit kleinem Einzugsgebiet oberhalb des Ortsteils Pfäffikon. Mit dem Projekt wurde der teilweise eingedolte und stark kanalisierte Unterlauf geöffnet und strutkurell aufgewertet. Es sind nach der Revitalisierung örtlich tiefe Wasserstellen, wie auch schilfbewachsene Flachwasserzonen mit Übergängen ins Naturschutzgebiet vorhanden.
Zu Schaffung von ökologisch wertvollen Flachwasserzonen im Seebereich wurden dem Ufer vorgelagert ein Riff geschüttet um die natürlichen, wie auch künstlich erzeugten Wellen auf das Ufer zu brechen. Sowohl der revitalisierte Bach, als auch das aufgewertete Seeufer bietet neu unzähligen Tierarten einen Lebensraum.
Die angestrebten Ziele (Schilfgesellschaften, Fisch- und Libellenpopulation, sowie die Gewässerqualität) werden im Rahmen einer Wirkungskontrolle bis zum Jahr 2022 genauer untersucht.
Krebsbach, Wollerau
Der Krebsbach wies vor der Revitalisierung auf dem ganzen Abschnitt gleichbleibende Wassertiefen und wenig vielfältige Strukturen auf. Mit dem Projekt wurde eine Steigerung der Bachdynamik und eine Variabilität an Strukturen angestrebt. Zudem wurden gezielt Hoch- und Mittwelwasserschutzräume, sowie Niederwasserlebensräume zur Fortpflanzung und zum Schutze von Jung- und Alttieren geschaffen.
Zu fördernde Lebensräume zur Erhöhung der Populationsdichte: Bachforelle, Äsche, Groppe, Krebsarten (Stein- und Edelkrebs).
Silberbach, Freienbach
Der Silberbach floss im Projektperimeter von 62 m auf seiner ganzen Länge eingedolt. Ziel des Projekts war die Verlegung, Offenlegung und Revitalisierung des Silberbachs. Der revitalisierte Silberbach wurde mit weiteren Gewässerstrukturen, wie einem Amphibienlaichgewässer und einer standortgerechten Uferbestockung, ergänzt. Durch die Revitalisierung wird der Silberbach zu einem wertvollen Lebensraum und Trittstein in der ökologischen Vernetzung der Gemeinde Freienbach.
Felbachernbach, Sattel
Der Felbachernbach fliesst im Projektperimeter auf seiner ganzen Länge eingedolt. Ziel dieses Projektes war, dass der Felbachernbach auf einer Länge von 100 m wieder offen fliesst und eine hohe Gewässervariabilität aufweist. Der ausgedolte und revitalisierte Felbachernbach soll insbesondere Makroinvertebraten und terrestrische Kleinlebewesen wie Schmetterlingen attraktive Habitate bieten. Das Etablieren einer standortgerechten Ufervegetation aus Ufergehölz und Hochstaudenflur ist für die Zielerreichung ebenfalls von hoher Bedeutung. Durch die Revitalisierung wird der Felbachernbach zu einem wertvollen Lebensraum und neuen Trittstein in der Vernetzung der Gemeinde Sattel. Als attraktives Landschaftselement entlang des bestehenden Wanderwegs strukturiert er die Landschaftskammer Felbacheren.
Hopfräben, Ingenbohl
Mit der Revitalisierung im Gebiet Hopfräben in Ingenbohl wurde ein Teilrückbau des künstlichen Dammes, die Schaffung einer Flachwasserzone, das Erstellen eines neuen Hechtengrabens sowie verschiedener Amphibiengewässer angestrebt. Zudem konnte mit dem Projekt die bestehende Erholungsnutzung besser vom angrenzenden Naturschutzgebiet getrennt werden. Sämtliche Massnahmen sind Teil der Umsetzung des kantonalen Nutzungsplans Hopfräben.