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Norditalien rückt dank NEAT näher an Schwyz: Wo liegt das wirtschaftliche Potenzial?

Mit der Eröffnung des neuen Gotthard Basistunnels im letzten Jahr ergeben sich für den Kanton Schwyz neue Möglichkeiten in der Standortentwicklung. Der Standort profitiert von seiner Nähe zu Norditalien – Mailand erreicht man heute mit dem Zug innerhalb von gut zweieinhalb Stunden ab Arth-Goldau. Die vom Verein Technologiezentrum Schwyz und dem Amt für Wirtschaft in Auftrag gegebene Marktstudie «Fokus 2040» zeigt: Bei der internationalen Zusammenarbeit mit Norditalien und bei der Ansiedlung von neuen Unternehmen im Kanton Schwyz eröffnen sich in drei Wachstumsbranchen neue Perspektiven.

Die NEAT optimiert die wirtschaftliche und verkehrstechnische Anbindung des Kantons Schwyz an die norditalienischen Regionen Piemont, Emilia Romagna, Toskana und Venetien. Zukünftig - nach Eröffnung des Ceneri-Tunnels – wird die Fahrt von Arth-Goldau nach Mailand gar weniger als zwei Stunden und zehn Minuten dauern. Von Mailand erreicht man per Bahn die Industrieschwerpunkte Turin, Bologna, Florenz, Vicenza und Padua innerhalb von einer bis knapp zwei Stunden. Diese Ausgangslage erleichtert der Schwyzer Wirtschaft den Zugang zu Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen im norditalienischen Raum und ermöglicht einen verbesserten Wissens- und Technologietransfer über die Landesgrenze hinweg.

Strategische Wachstumsbranchen
Die Studie zeigt auf, dass die Handelsbilanz Italiens vom inländischen Eigenkonsum geprägt ist. Die wichtigsten Exportbranchen sind der Maschinenbau, die Autoindustrie sowie die Life-Science- und Nahrungsmittelindustrie. In der Handelsbeziehung zwischen dem Kanton Schwyz und Italien sind gegenwärtig Rohstoffe und Halbwaren die wichtigsten Güter, zukunftsweisende technologische Güter und Dienstleistungen hingegen sind bislang kein Thema. Hier identifiziert die Studie eine Chance für den Kanton Schwyz zum Auf- und Ausbau von selektiven Technologiebranchen, die weltweit in starkem Wachstum begriffen sind. Aufgrund einer Analyse empfiehlt die Studie, in der Zusammenarbeit mit Norditalien die Technologiefelder Health, Clean und Agro als zukünftige strategische Wachstumsbranchen zu berücksichtigen.

Qualitative Chancen für beide Seiten
In Norditalien sind die erwähnten drei Sektoren geprägt von etablierten Familienunternehmen. Die Studie hat mehr als hundert entsprechende Firmen als potenzielle Partner für den Kanton Schwyz identifiziert, die zukünftig gezielt angesprochen werden können. Allerdings: Italienische Unternehmen sind traditionell sehr mit dem Heimmarkt verbunden und eher zurückhaltend bezüglich ausländischer Direktinvestitionen – nicht zuletzt wegen verdeckter Risiken und Barrieren, die eine Internationalisierung mit sich bringt. In diesem Kontext bieten sich dem Kanton Schwyz gute Chancen, sich gegenüber norditalienischen Unternehmen als verlässlicher Partner bei der Zukunftsausrichtung zu positionieren. Mittels massgeschneiderter Massnahmen sollen die vorhandenen Unsicherheiten abgebaut werden.

Internationalisierung als Wachstumstreiber
Die ausgewählten hundert Firmen in den drei Zielbranchen Health-, Clean- und Agrotech unterscheiden sich in ihren Produkten und Dienstleistungen sehr, doch allen gemeinsam ist das Potenzial zum Wachstum. Die Internationalisierung ist ein unmittelbarer Wachstumstreiber. Eine individuelle, effiziente Begleitung auf dem Weg zum Markteintritt in der Schweiz, kombiniert mit Wissensführerschaft in den relevanten Branchen durch entsprechende Netzwerke, sollte die Grundlage der zukünftigen, partnerschaftlichen Aktivitäten zwischen dem Kanton Schwyz resp. der Schwyzer Wirtschaft und norditalienischen Unternehmen sein.

Die Studie «Fokus 2040» wurde vom Think Tank und Strategieberater ConCeplus GmbH verfasst.